Aufklärung, kein Verkauf. Unabhängige Wissenssammlung. Keine Empfehlung, keine Anleitung, kein Verkauf von Anwendungen am Menschen.

Was das heißt
Gewicht & Metabolismus Evidenz B

Tripple-G

Retatrutid: Dreifachagonist an GIP-, GLP-1- und Glukagon-Rezeptor, weltweit nicht zugelassen

Auch bekannt als: Retatrutid · Retatrutide · LY3437943 · LY-3437943 · Triple G · Tripple G · Triple-G

Kurzfassung

Unter dem Namen Tripple-G wird im Sortiment das Molekül Retatrutid geführt, ein synthetisches Peptid, das gleichzeitig an drei Rezeptoren wirkt: GIP, GLP-1 und Glukagon. In der Phase-2-Studie an Menschen mit Adipositas sank das Körpergewicht nach 48 Wochen um bis zu 24,2 Prozent. Die Phase-3-Programme TRIUMPH und TRANSCEND laufen oder sind abgeschlossen; erste Ergebnisse wurden 2026 mitgeteilt. Zugelassen ist Retatrutid in keinem Land.

Wirkstoff hinter dem Namen
Retatrutid (LY3437943)
Angriffsorte
GIP-, GLP-1- und Glukagon-Rezeptor
Zulassungen
keine, weltweit (Stand September 2026)
Höchste Studienphase
Phase 3 (TRIUMPH, TRANSCEND-T2D-1)
Gewichtsabnahme Phase 2, 48 Wochen, 12 mg
−24,2 %
Gewichtsabnahme Phase 3, 80 Wochen, 12 mg
−28,3 %
Halbwertszeit beim Menschen
in den geprüften Quellen nicht angegeben
01

Was der Stoff ist

Klasse
Synthetisches Peptid, Dreifachagonist an den Rezeptoren für GIP (glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid), GLP-1 und Glukagon
CAS-Nummer
2381089-83-2
Herkunft
Retatrutid ist ein künstlich aufgebautes Peptid ohne körpereigenes Gegenstück. Entwicklungsbezeichnung LY3437943, Hersteller Eli Lilly. Molekülformel und Molmasse werden in den geprüften Primärarbeiten nicht angegeben; die öffentlichen Stoffdatenbanken führen Retatrutid nicht mit Formeleintrag.
02

Wirkmechanismus

Was im molekularen Versuch passiert. Jede Zeile nennt die Zielstruktur und die Belege.

  • GLP-1-Rezeptor1,2

    Agonist vollagonistisch, vergleichbar mit Semaglutid

    Die GLP-1-Komponente bremst die Magenentleerung, dämpft den Appetit und verstärkt die Insulinfreisetzung bei hohen Blutzuckerwerten. Das erklärt einen Teil der Gewichtsabnahme und den Großteil der Magen-Darm-Beschwerden.

  • GIP-Rezeptor1,2

    Agonist vollagonistisch

    Die zusätzliche GIP-Wirkung gilt als ein Grund für die stärkere Gewichtsabnahme im Vergleich zu reinen GLP-1-Agonisten. Ihr Anteil ist nie getrennt gemessen worden.

  • Glukagon-Rezeptor1,7

    Agonist vollagonistisch, Energiemehrverbrauch im Tiermodell beschrieben

    Die Glukagon-Komponente erhöht den Energieverbrauch und die Fettoxidation. Hier liegt der theoretische Vorteil gegenüber Zweifachagonisten und gleichzeitig das Risiko: Glukagon treibt die Glukoseabgabe der Leber an.

  • Fettgewebe und Körperzusammensetzung7

    Modulator

    In einer Teilstudie sank die Gesamtfettmasse unter 8 mg um 26,1 Prozent. Der Gewichtsverlust bestand überwiegend aus Fettgewebe; die fettfreie Masse nahm ebenfalls ab.

03

Was belegt ist und wie gut

Jede Aussage mit Evidenzstufe und Bewertung. „Anerkannt“ heißt: von der Fachwelt getragen. „Spekulativ“ heißt: es gibt eine Hypothese, aber keine belastbare Prüfung.

Evidenz B

Mehrere randomisierte Studien am Menschen, darunter eine vollständig publizierte Phase-3-Studie bei Typ-2-Diabetes und eine Phase-2-Studie bei Adipositas in einer führenden Fachzeitschrift. Die pivotalen Adipositas-Daten lagen beim Redaktionsstand nur als Herstellerergebnis vor.

Warum nicht höher: Es gibt keine Zulassung, keine kardiovaskuläre Endpunktstudie und keine Meta-Analyse über mehrere Phase-3-Studien. Die wichtigsten Gewichtsergebnisse sind bislang mitgeteilt statt vollständig begutachtet veröffentlicht, und eine unabhängige Replikation fehlt.

  • Retatrutid senkt bei Menschen mit Adipositas ohne Diabetes das Körpergewicht deutlich stärker als Placebo.1,6

    Evidenz B anerkannt · Randomisierte doppelblinde Phase-2-Studie mit 338 Teilnehmenden über 48 Wochen, zusätzlich eine Meta-Analyse über drei randomisierte Studien mit 640 Teilnehmenden.

  • In der Phase-2-Studie sank das Gewicht unter 12 mg nach 48 Wochen um 24,2 Prozent gegenüber 2,1 Prozent unter Placebo.1

    Evidenz B anerkannt · Einzelne randomisierte Phase-2-Studie zur Dosisfindung, keine Endpunktstudie.

  • Retatrutid senkt bei Typ-2-Diabetes den Langzeitblutzucker stärker als Placebo.4,2

    Evidenz A anerkannt · Publizierte Phase-3-Studie mit 537 Teilnehmenden, zusätzlich Phase-2-Daten mit aktivem Vergleichsarm.

  • In TRIUMPH-1 erreichten Teilnehmende mit 12 mg nach 80 Wochen eine mittlere Gewichtsabnahme von 28,3 Prozent.8,9

    Evidenz B plausibel · Herstellerergebnis vom Mai 2026 ohne vollständige Publikation. Die Studie selbst ist randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert.

  • Retatrutid verringert bei Menschen mit Fettleber den Leberfettgehalt.3

    Evidenz B plausibel · Randomisierte Phase-2a-Teilstudie mit 98 Teilnehmenden, Leberfett per Magnetresonanz gemessen.

  • Die Glukagon-Komponente erhöht den Energieverbrauch, und Retatrutid erhält die Muskelmasse besser als andere Abnehm-Arzneimittel.7,1

    Evidenz D spekulativ · Beides aus Mechanismus beziehungsweise kleinen Teilstudien abgeleitet. Der Anteil des Glukagonarms ist nie isoliert gemessen, und es gibt keinen Muskelendpunkt.

04

Studien am Menschen

Was am Menschen tatsächlich gemessen wurde. Tierstudien stehen bewusst nicht hier, sondern im Abschnitt zur Evidenz.

Phase 2 Adipositas (NCT04881760)

Phase 2 2023 1
Population
338 Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht plus gewichtsbezogener Begleiterkrankung, ohne Diabetes · n = 338
Endpunkte
Prozentuale Gewichtsänderung nach 24 und 48 Wochen, Anteile mit 5, 10 und 15 Prozent Gewichtsabnahme
Ergebnis
Nach 48 Wochen minus 8,7 Prozent (1 mg), minus 17,1 (4 mg), minus 22,8 (8 mg) und minus 24,2 Prozent (12 mg) gegenüber minus 2,1 Prozent unter Placebo. Häufigste unerwünschte Wirkungen waren dosisabhängige Magen-Darm-Beschwerden. Die Herzfrequenz stieg dosisabhängig, am stärksten nach 24 Wochen, danach rückläufig.

Phase 2 bei Typ-2-Diabetes (NCT04867785)

Phase 2 2023 2
Population
281 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, HbA1c 7,0 bis 10,5 Prozent, behandelt mit Diät und Bewegung oder Metformin · n = 281
Endpunkte
HbA1c nach 24 Wochen, Gewicht nach 36 Wochen, aktiver Vergleichsarm Dulaglutid 1,5 mg
Ergebnis
HbA1c nach 24 Wochen minus 2,02 Prozentpunkte unter 12 mg gegenüber minus 0,01 Prozentpunkten unter Placebo und minus 1,41 Prozentpunkten unter Dulaglutid. Gewicht nach 36 Wochen minus 16,9 Prozent unter 12 mg gegenüber minus 3,0 Prozent unter Placebo. Magen-Darm-Beschwerden bei 35 Prozent der Retatrutid-Gruppen gegenüber 13 Prozent unter Placebo, keine schwere Unterzuckerung.

Leberfett-Teilstudie (NCT04881760)

Phase 2a 2024 3
Population
98 Teilnehmende derselben Phase-2-Studie mit Fettleber und mindestens 10 Prozent Leberfettanteil · n = 98
Endpunkte
Relative Änderung des Leberfettgehalts nach 24 Wochen, gemessen per Magnetresonanz
Ergebnis
Leberfett minus 42,9 Prozent (1 mg), minus 57,0 (4 mg), minus 81,4 (8 mg) und minus 82,4 Prozent (12 mg) gegenüber plus 0,3 Prozent unter Placebo. Ein Leberfettgehalt unter 5 Prozent wurde bei 86 Prozent der 12-mg-Gruppe erreicht.

TRANSCEND-T2D-1 (NCT06354660)

Phase 3 2026 4,14
Population
537 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, unzureichend eingestellt mit Diät und Bewegung, BMI ab 23 kg/m² · n = 537
Endpunkte
Änderung des HbA1c und des Gewichts nach 40 Wochen
Ergebnis
HbA1c minus 1,69 Prozentpunkte (4 mg), minus 1,86 (9 mg) und minus 1,94 (12 mg) gegenüber minus 0,81 unter Placebo. Gewicht minus 11,5 Prozent (4 mg), minus 13,9 (9 mg) und minus 15,3 (12 mg) gegenüber minus 2,6 unter Placebo. Abbruch wegen unerwünschter Wirkungen bei 2 bis 5 Prozent unter Retatrutid und 0 Prozent unter Placebo. Zwei Todesfälle, beide in der 4-mg-Gruppe, nach Einschätzung der Prüfenden ohne Zusammenhang mit dem Prüfpräparat.

TRIUMPH-1 (NCT05929066)

Phase 3 2026 8,9
Population
2335 Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung · n = 2335
Endpunkte
Prozentuale Gewichtsänderung über 80 Wochen, eingebettete Teilstudien zu Schlafapnoe und Kniearthrose
Ergebnis
Nach 80 Wochen minus 19,0 Prozent (4 mg), minus 25,9 (9 mg) und minus 28,3 Prozent (12 mg) gegenüber minus 2,2 Prozent unter Placebo. 45,3 Prozent der 12-mg-Gruppe erreichten mindestens 30 Prozent Gewichtsabnahme. In einer verblindeten Fortführung über 104 Wochen minus 30,3 Prozent bei Teilnehmenden mit Ausgangs-BMI ab 35, die auf 12 mg blieben. Abbruch wegen unerwünschter Wirkungen bei 4,1, 6,9 und 11,3 Prozent gegenüber 4,9 Prozent unter Placebo.

Weitere Arme des TRIUMPH-Programms

Phase 3 10,11,12,13,5
Population
TRIUMPH-2: Adipositas mit Typ-2-Diabetes, 1152 Teilnehmende. TRIUMPH-3: Adipositas mit Herz-Kreislauf-Erkrankung, 1946. TRIUMPH-4: Kniearthrose, 445. TRIUMPH-5: direkter Vergleich gegen Tirzepatid, 800.
Endpunkte
Gewichtsänderung, Knieschmerz-Score, Ereignisrate, Verträglichkeit im direkten Vergleich
Ergebnis
Nach Registerstand umfasst das Programm neun Studien. Ergebnisse zu TRIUMPH-4 wurden 2026 mitgeteilt, TRIUMPH-2 und TRIUMPH-3 folgten laut Hersteller im weiteren Jahresverlauf. Beim Redaktionsstand lagen sie nicht als vollständige Publikation vor.
05

Pharmakokinetik

Was der Körper mit dem Stoff macht: Aufnahme, Verteilung, Abbau.

Halbwertszeit
In den geprüften Publikationen und in den öffentlichen Arzneimittelregistern findet sich keine Halbwertszeit für Retatrutid am Menschen. Da es keine Zulassung gibt, existiert auch keine Behördenunterlage mit pharmakokinetischen Angaben. Alle Studien dosierten einmal wöchentlich, was eine verlängerte Verweildauer voraussetzt; belegt ist die Zahl nicht.
Aufnahme / Bioverfügbarkeit
Alle Studien verabreichten Retatrutid subkutan. Zur oralen Aufnahme beim Menschen gibt es keine Angaben.
Spitzenkonzentration
Nicht veröffentlicht. Die Phase-2- und Phase-3-Arbeiten berichten keine Aufnahmekurven.
Abbau
Für Retatrutid ist der Abbauweg in den geprüften Quellen nicht beschrieben. Bei verwandten Peptiden läuft er über allgemeine Proteinspaltung, nicht über ein einzelnes Enzym.

Der fehlende pharmakokinetische Datensatz ist keine Formalie. Ohne Halbwertszeit und Aufnahmedaten lässt sich nicht abschätzen, wie lange eine Gabe nachwirkt und wie stark sich Gaben überschichten.

06 keine Anwendungsempfehlung

Protokolle aus der Literatur

Diese Angaben beschreiben, wie in einer bestimmten Studie dosiert wurde. Sie sind der Grund, warum im Umlauf Zahlen kursieren, und ausdrücklich kein Vorschlag für irgendetwas.

1, 4, 8 oder 12 mg einmal wöchentlich, teils mit niedrigerer Startdosis von 2 mg subkutan Phase-2-Studie, Erwachsene mit Adipositas, 48 Wochen Zweck: Dosisfindung und Prüfung der Gewichtswirkung 1
4, 9 oder 12 mg einmal wöchentlich subkutan Phase-3-Studien TRIUMPH-1 und TRANSCEND-T2D-1, Erwachsene mit Adipositas beziehungsweise Typ-2-Diabetes Zweck: Bestätigung der Wirkung in großen kontrollierten Studien 8,4
0,5 bis 12 mg einmal wöchentlich mit stufenweiser Steigerung subkutan Phase-2-Studie mit Körperzusammensetzungs-Teilstudie, Typ-2-Diabetes, 36 Wochen Zweck: Messung von Fett- und Muskelanteil per Dual-Röntgen-Absorptiometrie 7

Dosisangaben aus Tierstudien lassen sich nicht auf Menschen umrechnen. Wer das versucht, ignoriert Unterschiede in Stoffwechsel, Aufnahme und Empfindlichkeit.

07

Handhabung im Labor

Umgang mit der Substanz, nicht mit dem Menschen: ansetzen, lagern, typische Fehler.

Rekonstitution
Es gibt keinen zugelassenen Fertigartikel und damit keine verbindliche Herstellerangabe. Für Peptid-Lyophilisate allgemein gilt: Lösungsmittel an der Glaswand entlanglaufen lassen, nicht auf das Pulver spritzen, nicht schütteln.
Lagerung
Eine zugelassene Lagervorschrift existiert nicht. Für Peptid-Lyophilisate allgemein gilt: trocken, lichtgeschützt und tiefgekühlt lagern.
Lösungsmittel
Eine geprüfte Angabe fehlt. Bei anderen Peptiden wird bakteriostatisches Wasser verwendet; Benzylalkohol kann die Stabilität verändern.
Auftauen
Wiederholtes Auftauen und Einfrieren gilt bei Peptiden allgemein als häufige Ursache für Aktivitätsverlust. Für Retatrutid ist das nicht untersucht.

Grundregeln für den Umgang

  • Ansetzdatum und Kühlkette dokumentieren.
  • Trübe Lösungen oder sichtbare Partikel nicht verwenden.
  • Die FDA stuft Zubereitungen aus Retatrutid als unzulässig ein, deshalb ist jede Beschaffung außerhalb einer klinischen Studie rechtlich und qualitativ ungeklärt.
  • Beim Erhalt den Temperaturverlauf prüfen: Unterbrochene Kühlketten sind bei Peptiden ein häufiges Qualitätsproblem.

Typische Fehler

  • Der Sortimentsname Tripple-G führt in die Irre. Unter diesem Namen findet sich keine Studie. Alle Belege gelten für Retatrutid, und die Studienpopulationen sind eng umrissen: überwiegend Erwachsene mit Adipositas ohne Diabetes.
  • Die Ergebnisse von TRIUMPH-1 und weiterer Phase-3-Studien wurden bislang als Herstellermitteilung verbreitet. Aus einer Mitteilung lassen sich keine Nebenwirkungshäufigkeiten ableiten.
  • Die drei Rezeptorwirkungen werden im Umlauf als fertige Erklärung verkauft. Getrennt gemessen ist keine davon.
  • Bei anderen Inkretin-Peptiden lagen die Ergebnisse der Zulassungsstudien teilweise unter denen der Phase 2. Ein Rückschluss von Phase 2 auf spätere Ergebnisse ist unsicher.
  • Retatrutid wird in Sport und Freizeit bereits gehandelt, obwohl es nirgends zugelassen ist. Für solche Zubereitungen gibt es weder Reinheitsnachweis noch belastbare Dosisangabe noch Stabilitätsdaten.
08

Sicherheit

Die Sicherheitsdaten stammen aus kontrollierten Studien mit begrenzter Laufzeit. Für eine nicht zugelassene Substanz fehlen Behördenbewertung und Langzeitbeobachtung vollständig.

Was in Studien als unerwünschte Wirkung berichtet wurde

  • gravierend Evidenz A Belege: fda-glp1

    Die FDA hat festgestellt, dass Retatrutid nicht zum Compounding verwendet werden darf, weil es kein Bestandteil eines zugelassenen Arzneimittels ist und für keine Erkrankung als sicher und wirksam bewertet wurde. Die Behörde hat Warnbriefe an Anbieter verschickt, die Retatrutid direkt an Verbraucher vermarktet haben.

  • relevant Evidenz B Belege: bajaj-2026, lilly-triumph-1

    Magen-Darm-Beschwerden sind die häufigste unerwünschte Wirkung und dosisabhängig. In TRANSCEND-T2D-1 brachen 2 bis 5 Prozent der Behandelten deshalb ab, in TRIUMPH-1 stieg die Abbruchrate von 4,1 Prozent bei 4 mg auf 11,3 Prozent bei 12 mg.

  • relevant Evidenz B Belege: jastreboff-2023, coskun-2025

    Die Herzfrequenz steigt dosisabhängig. In der Phase-2-Studie erreichte der Anstieg nach 24 Wochen seinen Höhepunkt und ging danach zurück. Ein dauerhaft erhöhter Ruhepuls ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, und Langzeitdaten dazu fehlen.

  • relevant Evidenz C Belege: lilly-triumph-1, wegovy-pi

    In TRIUMPH-1 trat eine Dysästhesie genannte Empfindungsstörung auf, nach Herstellerangabe überwiegend leicht. Bei verwandten Inkretinen ist diese Nebenwirkung mit Häufigkeit dokumentiert; ein Grund, die vollständigen Daten abzuwarten.

  • Hinweis Evidenz B Belege: bajaj-2026

    Die Glukagon-Komponente kann den Blutzucker erhöhen, weil Glukagon die Glukoseabgabe der Leber steigert. In TRANSCEND-T2D-1 wurde keine schwere Unterzuckerung berichtet, die Gegenregulation über die gleichzeitige Inkretinwirkung ist aber nicht über lange Zeiträume geprüft.

Aus Studien und Zulassungsunterlagen

  • Phase-2-Studie Adipositas, 48 Wochen: Magen-Darm-Beschwerden als häufigste Ereignisse, dosisabhängig und durch eine niedrigere Startdosis teilweise abgemildert. Prozentwerte für Übelkeit, Durchfall und Erbrechen werden in der Zusammenfassung nicht getrennt genannt.
  • Phase-2-Studie Typ-2-Diabetes, 36 Wochen: leichte bis mittelschwere Magen-Darm-Beschwerden bei 35 Prozent der Retatrutid-Gruppen, 13 Prozent unter Placebo und 35 Prozent unter Dulaglutid. Keine schwere Unterzuckerung, keine Todesfälle.
  • TRANSCEND-T2D-1, 40 Wochen: Abbruch wegen unerwünschter Wirkungen bei 2 bis 5 Prozent unter Retatrutid und 0 Prozent unter Placebo. Keine schwere Unterzuckerung. Zwei Todesfälle in der 4-mg-Gruppe, nach Einschätzung der Prüfenden ohne Zusammenhang mit dem Prüfpräparat.
  • TRIUMPH-1, 80 Wochen, laut Herstellermitteilung: häufigste Ereignisse Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Erbrechen, überwiegend leicht bis mittelschwer. Abbruch wegen unerwünschter Wirkungen bei 4,1 Prozent (4 mg), 6,9 Prozent (9 mg) und 11,3 Prozent (12 mg) gegenüber 4,9 Prozent unter Placebo. Eine Empfindungsstörung trat bei einem Teil der Behandelten auf.
  • Post-Marketing-Daten existieren nicht. Ohne Zulassung gibt es auch kein behördliches Meldesystem, das unerwünschte Wirkungen nach der Markteinführung sammelt.

Messgrößen, die eine Gefährdung früh zeigen würden

Diese Parameter werden in Studien erhoben, um Schäden zu erkennen. Die Liste ist keine Anleitung zur Selbstkontrolle, sondern zeigt, welche Signale die Fachwelt für relevant hält.

  • HbA1c und Nüchternglukose, weil die Glukagon-Komponente die Glukosebereitstellung der Leber steigert.
  • Ruhepuls und Blutdruck, weil die Herzfrequenz dosisabhängig steigt.
  • Lipase und Amylase, weil bei Inkretinen Pankreasereignisse beschrieben sind.
  • Gallenblase per Sonografie, weil unter starker Gewichtsabnahme Gallensteine häufiger auftreten.
  • Körperzusammensetzung, weil unklar ist, welcher Anteil des Gewichtsverlusts auf fettfreie Masse entfällt.
  • Leberwerte und Leberfett, weil in der Phase-2a-Teilstudie Leberfett gemessen wurde.
  • Nierenfunktion, weil zu Ausscheidung und Clearance beim Menschen nichts veröffentlicht ist.
  • Bei Diabetes der Augenhintergrund, weil bei schnell sinkendem Blutzucker eine Retinopathie vorübergehend fortschreiten kann.
09 keine Rechtsberatung

Rechtslage

Einordnung nach öffentlich zugänglichen Normen. Sie ersetzt keine anwaltliche Auskunft im Einzelfall.

Deutschland

17,18,19,20

Nicht zugelassen. Ein Stoff ohne Zulassung, der zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, ist ein nicht zugelassenes Arzneimittel und darf nicht in den Verkehr gebracht werden.

  • § 2 Abs. 1 AMG (Arzneimittelbegriff)
  • § 21 Abs. 1 AMG (Zulassungspflicht)
  • § 73 AMG (Verbringungsverbot)
  • Anlage zu § 6 AntiDopG

Da keine Zulassung besteht, gibt es keine Packungsbeilage und keine behördlich geprüfte Abgaberegel. Der Vertrieb unter der Bezeichnung „nur für Forschungszwecke“ ändert nichts, wenn das Produkt objektiv zur Anwendung am Menschen bestimmt ist. Retatrutid steht nach hiesiger Prüfung nicht in der Anlage zu § 6 AntiDopG; diese Liste führt Wachstumshormon-Fragmente, nicht Inkretin-Peptide.

Europäische Union

22

Kein zugelassenes Arzneimittel in der EU.

  • Richtlinie 2001/83/EG Art. 1 Nr. 2 (Arzneimittelbegriff)
  • Richtlinie 2001/83/EG Art. 6 (Zulassungspflicht)

Die Einordnung folgt der Zweckbestimmung. Ein Produkt, das zur Gewichtsreduktion am Menschen angeboten wird, ist Arzneimittel, unabhängig von der Etikettierung.

USA

15,16

Nicht zugelassen. Die FDA stellt ausdrücklich fest, dass Retatrutid nicht zum Compounding verwendet werden darf.

  • 21 U.S.C. § 353a (Section 503A des FD&C Act)
  • FDA: Concerns with Unapproved GLP-1 Drugs Used for Weight Loss
  • FDA: Bulk Drug Substances Used in Compounding

Begründung der Behörde: Retatrutid ist kein Bestandteil eines zugelassenen Arzneimittels und wurde für keine Erkrankung als sicher und wirksam befunden. Die Regel, dass ein compounded Erzeugnis kein „essentially a copy“ eines kommerziell erhältlichen Arzneimittels sein darf, steht in Section 503A(b)(1)(D) des FD&C Act, nicht in einer Verordnung des Code of Federal Regulations. Die FDA hat Warnbriefe an Anbieter, Wirkstoffhändler und Abfüllbetriebe verschickt.

Sport und Anti-Doping

21,20

Auf der Verbotsliste der WADA über die Auffangkategorie S0 (nicht zugelassene Substanzen). Ein Nachweis im Wettkampf gilt als Dopingverstoß.

  • WADA Prohibited List, Kategorie S0 „Non-Approved Substances“
  • Anlage zu § 6 AntiDopG

S0 erfasst Stoffe ohne arzneimittelrechtliche Zulassung, die in keiner anderen Kategorie stehen. In der enger gefassten Anlage zum AntiDopG ist Retatrutid nicht genannt.

Gesamtübersicht zur Rechtslage in Deutschland, EU und weiteren Staaten
10

Kombinationen

Was in der Literatur zusammen genannt wird und was davon belegt ist.

Häufig zusammen untersucht oder genannt

  • Retatrutid wurde in Forschungsarbeiten immer allein gegen Placebo oder gegen einen einzelnen Vergleichswirkstoff geprüft. Kombinationen mit anderen Abnehm-Wirkstoffen sind nicht untersucht. Zwei Inkretin-Agonisten zusammen würden die Magen-Darm-Wirkungen addieren, ohne dass ein Zusatznutzen gemessen wäre.

Mögliche Wechselwirkungen

  • Weil die Magenentleerung verzögert wird, kann die Aufnahme oraler Arzneimittel verändert sein. Für Retatrutid ist das nicht untersucht, für zugelassene GLP-1-Agonisten ist der Effekt beschrieben.
  • Bei gleichzeitiger Gabe von Sulfonylharnstoffen oder Insulin steigt das Risiko für Unterzuckerung. In TRANSCEND-T2D-1 erhielten die Teilnehmenden keine solchen Begleitmedikamente.
  • Die Glukagon-Komponente wirkt der Blutzuckersenkung entgegen. Bei Menschen mit eingeschränkter Gegenregulation ist dieser Punkt nicht geprüft.
Zur Stack-Bibliothek mit Risiko-Check
11

Häufige Fehlannahmen

Aussagen, die im Umlauf sind, und was die Quellen dazu sagen.

„Tripple-G ist ein zugelassenes Abnehm-Medikament der nächsten Generation.“

Es gibt keine Zulassung, weder in der EU noch in den USA noch sonst wo. Es laufen Phase-3-Studien. Der Hersteller nennt als frühesten Zeitpunkt für eine Zulassung Ende 2027 oder Anfang 2028.15,8

„Das Molekül heißt Tripple-G.“

Der Wirkstoff heißt Retatrutid, Entwicklungskennung LY3437943. Tripple-G ist eine Sortimentsbezeichnung. Wer sie in eine Datenbank eingibt, findet keine Studie und kann die Angaben nicht prüfen.1

„In Phase 3 wurden 30 Prozent Gewichtsabnahme erreicht.“

Die 30,3 Prozent stammen aus einer verblindeten Fortführung bei Teilnehmenden mit Ausgangs-BMI ab 35, die über 104 Wochen auf der höchsten Dosis blieben. Das ist eine Untergruppe, nicht das Gesamtergebnis. Für die Gesamtgruppe nennt der Hersteller 28,3 Prozent bei 12 mg nach 80 Wochen, und die Daten sind noch nicht vollständig publiziert.8

„Die FDA nennt Retatrutid nur „nicht zugelassen“, verbietet es also nicht.“

Die FDA geht weiter: Sie erklärt Retatrutid ausdrücklich für unzulässig im Compounding und hat gegen Anbieter, Wirkstoffhändler und Abfüller Warnbriefe erlassen. Bei Produkten, die als „research use only“ verkauft werden, aber Anwendungshinweise für Menschen mitliefern, ist die Zweckbestimmung Arzneimittel.15

12

Wissenslücken

Was fehlt. Wer forschen will, findet hier die offenen Fragen, die tatsächlich welche sind.

  • ? Es fehlt eine vollständig begutachtete Publikation der pivotalen Adipositas-Studien. Bis dahin sind die wichtigsten Zahlen Herstellerangaben.
  • ? Es gibt keine Studie zu kardiovaskulären Endpunkten. Ob der Gewichtsverlust auch Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindert, ist offen.
  • ? Es gibt keine Daten über 104 Wochen hinaus. Ob der Gewichtsverlust anhält oder nach dem Absetzen zurückgeht, ist nicht untersucht.
  • ? Die Muskelmasse wurde nur in einer Teilstudie mit 103 vollständig auswertbaren Teilnehmenden gemessen. Sie ist kein Zulassungsendpunkt und war nicht auf den Erhalt von Muskelmasse ausgelegt.
  • ? Es fehlen Daten zu Kindern und Jugendlichen, zu Schwangeren und Stillenden sowie zu Menschen über 75 Jahren.
  • ? Es fehlen Daten zu Menschen mit einer Essstörung in der Vorgeschichte. Solche Personen wurden aus den Studien ausgeschlossen.
  • ? Halbwertszeit, Aufnahme und Abbauweg sind beim Menschen nicht veröffentlicht, und bei stark eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion gibt es keine Sicherheitsdaten.
  • ? Die Dysästhesie ist bislang nur als Herstellerangabe dokumentiert. Häufigkeit und Verlauf sind unbekannt.
13 Bindet ein Testpeptid an GLP-1-, GIP- und Glukagon-Rezeptor unterschiedlich stark, und wie verhält sich das Muster zu dem eines Referenzagonisten?

Selbst ansetzen: ein Experiment ohne Arzneimittel

Rezeptorbindung im Zellassay vergleichen

Bindet ein Testpeptid an GLP-1-, GIP- und Glukagon-Rezeptor unterschiedlich stark, und wie verhält sich das Muster zu dem eines Referenzagonisten?

Material

  • · Zelllinien mit stabil exprimiertem humanem GLP-1-, GIP- oder Glukagon-Rezeptor
  • · cAMP-Reporterassay oder cAMP-Messkit, passendes Medium und Plattenleser
  • · Je ein Referenzagonist für jeden der drei Rezeptoren als Positivkontrolle
  • · Retatrutid als Prüfsubstanz, Bezugsquelle und Reinheit dokumentiert

Auswertung

Halbmaximale effektive Konzentration je Rezeptor, angegeben als Vielfaches der jeweiligen Referenz, mit Vertrauensbereich über die Versuchstage.

Ablauf

  1. 1. Zellen je Rezeptorlinie in gleicher Dichte aussäen und bis zur Konfluenz kultivieren.
  2. 2. Abgestufte Konzentrationen von Retatrutid und je einem Referenzagonisten in Dreifachbestimmung aufbringen.
  3. 3. Nach der im Kit angegebenen Inkubationszeit das cAMP-Signal messen und Dosis-Wirkungs-Kurven fitten.
  4. 4. Mindestens drei unabhängige Versuchstage, Auswertung mit Streumaß und Angabe der Positivkontrolle.

Grenzen: Ein cAMP-Assay zeigt nur, dass ein Peptid andockt und ein Signal auslöst. Er sagt nichts über Gewichtsverlust, Verträglichkeit oder Dosis am Menschen. Ohne Positivkontrolle ist das Ergebnis nicht interpretierbar.

14

Vergleich mit verwandten Stoffen

Direkter Nebeneinander-Vergleich der belegbaren Merkmale. Leere Felder bedeuten: in der Literatur nicht gefunden.

MerkmalTripple-G5-Amino-1MQAOD-9604CagrilintideSemaglutide
KlasseSynthetisches Peptid, Dreifachagonist an den Rezeptoren für GIP (glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid), GLP-1 und GlukagonKleinmolekül, kein Peptid: 5-Amino-1-methylchinolinium, ein Hemmstoff des Enzyms Nicotinamid-N-Methyltransferase (NNMT)Synthetisches Peptid aus 16 Aminosäuren, C-terminales Fragment des humanen Wachstumshormons, mit einer Disulfidbrücke zwischen den Cysteinen an Position 7 und 14Synthetisches Peptid, langwirksames Analogon des humanen Amylins (Inselamyloid-Polypeptid), mit Fettsäurekette zur AlbuminbindungSynthetisches Peptid, GLP-1-Rezeptor-Agonist, durch Fettsäurekette an Albumin gebunden und dadurch lang wirksam
ZielstrukturGLP-1-Rezeptor, GIP-Rezeptor, Glukagon-Rezeptor, Fettgewebe und KörperzusammensetzungEnzym NNMT (Nicotinamid-N-Methyltransferase), NAD+ und S-Adenosylmethionin im Fettgewebe, Polyamin-Stoffwechsel und Energieverbrauch, Fettgewebe, Leber und Glukosehaushaltβ3-adrenerge Rezeptoren des Fettgewebes, Fettoxidation und Energieverbrauch, Insulinempfindlichkeit und Blutzucker, Kein bekannter RezeptorAmylin-Rezeptoren (Calcitonin-Rezeptor mit RAMP1, RAMP2 oder RAMP3), Sättigungszentren im Hirnstamm, Magenentleerung, Glukagon und Blutzucker nach dem EssenGLP-1-Rezeptor, Appetitregulation im Hypothalamus, Magenentleerung, Herz-Kreislauf-System und Niere
HalbwertszeitIn den geprüften Publikationen und in den öffentlichen Arzneimittelregistern findet sich keine Halbwertszeit für Retatrutid am Menschen. Da es keine Zulassung gibt, existiert auch keine Behördenunterlage mit pharmakokinetischen Angaben. Alle Studien dosierten einmal wöchentlich, was eine verlängerte Verweildauer voraussetzt; belegt ist die Zahl nicht.Beim Menschen nicht bestimmt. Im Mausmodell wurde die Kinetik nach intravenöser, oraler und subkutaner Gabe beschrieben, mit hoher systemischer Verfügbarkeit und Verteilung in Fettgewebe, Muskel und Leber.Nicht bestimmt. Die Behördenprüfung von 2024 stellt fest, dass keine klinische Studie zur Pharmakokinetik oder Pharmakodynamik von AOD9604 über irgendeinen Verabreichungsweg vorliegt.159 bis 195 Stunden, also etwa 7 bis 8 Tage. Ermittelt in einer randomisierten Phase-1b-Studie bei 95 gesunden Erwachsenen mit Übergewicht.Etwa 1 Woche. Nach der letzten Dosis von 2,4 mg ist Semaglutid noch rund 7 Wochen im Blut nachweisbar.
Untersuchte Wegesubkutansubkutan, in vitrooral, subkutan, intravenössubkutansubkutan, oral
ZulassungDeutschland: Nicht zugelassen. Ein Stoff ohne Zulassung, der zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, ist ein nicht zugelassenes Arzneimittel und darf nicht in den Verkehr gebracht werden. · Europäische Union: Kein zugelassenes Arzneimittel in der EU.Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei Bestimmung zur Anwendung am Menschen ein nicht zugelassenes Arzneimittel. · Europäische Union: Kein zugelassenes Arzneimittel in der EU.Deutschland: Nicht zugelassen und zusätzlich in der Doping-Verbotsliste namentlich genannt. Erwerb, Besitz und Verbringung in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken sind strafbar. · Europäische Union: Kein zugelassenes Arzneimittel in der EU.Deutschland: Nicht zugelassen. Ein Stoff ohne Zulassung, der zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, ist ein nicht zugelassenes Arzneimittel und darf nicht in den Verkehr gebracht werden. · Europäische Union: Kein zugelassenes Arzneimittel. Beim Redaktionsstand ist kein laufendes EU-Zulassungsverfahren bekannt.Deutschland: Zugelassenes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Abgabe ausschließlich über Apotheken. Nicht zugelassene Zubereitungen und Importe sind nicht verkehrsfähig. · Europäische Union: Zugelassen. Wegovy seit 6. Januar 2022, Ozempic seit 8. Februar 2018, Rybelsus seit 3. April 2020.
EvidenzB — am Menschen untersuchtC — überwiegend TiermodelleB — am Menschen untersuchtB — am Menschen untersuchtA — mehrfach am Menschen belegt
Humanstudien6 dokumentiert5 dokumentiert5 dokumentiert6 dokumentiert5 dokumentiert
DeutschlandNicht zugelassen. Ein Stoff ohne Zulassung, der zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, ist ein nicht zugelassenes Arzneimittel und darf nicht in den Verkehr gebracht werden.Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei Bestimmung zur Anwendung am Menschen ein nicht zugelassenes Arzneimittel.Nicht zugelassen und zusätzlich in der Doping-Verbotsliste namentlich genannt. Erwerb, Besitz und Verbringung in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken sind strafbar.Nicht zugelassen. Ein Stoff ohne Zulassung, der zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, ist ein nicht zugelassenes Arzneimittel und darf nicht in den Verkehr gebracht werden.Zugelassenes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Abgabe ausschließlich über Apotheken. Nicht zugelassene Zubereitungen und Importe sind nicht verkehrsfähig.
Ausführlicher Vergleich mit Diagrammen
15

Kernaussagen

  • Hinter dem Sortimentsnamen Tripple-G steht Retatrutid (LY3437943). Alle belastbaren Zahlen beziehen sich auf diesen Wirkstoff.
  • Retatrutid ist ein Dreifachagonist an GIP-, GLP-1- und Glukagon-Rezeptor und in keinem Land zugelassen.
  • Die Phase-2-Studie zeigte nach 48 Wochen bis zu 24,2 Prozent Gewichtsabnahme; die Phase-3-Studie TRANSCEND-T2D-1 bestätigte die Blutzuckerwirkung bei Typ-2-Diabetes.
  • Die pivotalen Adipositas-Ergebnisse der TRIUMPH-Studien wurden 2026 mitgeteilt, lagen aber noch nicht vollständig begutachtet vor.
  • Es gibt keine Endpunktstudie und keine Daten über 104 Wochen hinaus. Die FDA erklärt Retatrutid für unzulässig im Compounding, im Sport fällt es unter die WADA-Kategorie S0.
16

Quellen

Alle Belege dieses Beitrags, mit Einordnung, was sie zeigen und wo ihre Grenzen liegen.

  1. [1] Triple-Hormone-Receptor Agonist Retatrutide for Obesity - A Phase 2 Trial

    Jastreboff AM, Kaplan LM, Frías JP, Wu Q, et al.. New England Journal of Medicine , 2023 · doi:10.1056/NEJMoa2301972 · PMID 37366315

    Randomisierte Studie

    Wichtigste Publikation zum Gewichtseffekt, randomisiert, doppelblind, 338 Teilnehmende, 48 Wochen. Grenze: Phase 2 zur Dosisfindung ohne Endpunkte und ohne Langzeitdaten.

  2. [2] Retatrutide, a GIP, GLP-1 and glucagon receptor agonist, for people with type 2 diabetes: a randomised, double-blind, placebo and active-controlled, parallel-group, phase 2 trial conducted in the USA

    Rosenstock J, Frias J, Jastreboff AM, Du Y, et al.. The Lancet , 2023 · doi:10.1016/S0140-6736(23)01053-X · PMID 37385280

    Randomisierte Studie

    Phase 2 bei Typ-2-Diabetes mit aktivem Vergleichsarm Dulaglutid. Wichtig, weil hier ein direkter Vergleich mit einem zugelassenen Arzneimittel vorliegt.

  3. [3] Triple hormone receptor agonist retatrutide for metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease: a randomized phase 2a trial

    Sanyal AJ, Kaplan LM, Frias JP, Brouwers B, et al.. Nature Medicine , 2024 · doi:10.1038/s41591-024-03018-2 · PMID 38858523

    Randomisierte Studie

    Teilstudie mit 98 Teilnehmenden. Kleine Fallzahl, aber Leberfett per Magnetresonanz gemessen statt geschätzt.

  4. [4] Efficacy and safety of retatrutide, a GIP, GLP-1, and glucagon receptor agonist, in people with type 2 diabetes and inadequate glycaemic control with diet and exercise (TRANSCEND-T2D-1): a double-blind, randomised, phase 3 trial

    Bajaj HS, Welch M, Shah P, Luna E, et al.. The Lancet , 2026 · doi:10.1016/S0140-6736(26)00967-0 · PMID 42250575

    Randomisierte Studie

    Erste vollständig publizierte Phase-3-Studie zu Retatrutid, 537 Teilnehmende, 40 Wochen. Belegt die Blutzuckerwirkung, nicht die Wirkung bei Adipositas ohne Diabetes.

  5. [5] Retatrutide for the treatment of obesity, obstructive sleep apnea and knee osteoarthritis: Rationale and design of the TRIUMPH registrational clinical trials

    Giblin K, Kaplan LM, Somers VK, Le Roux CW, et al.. Diabetes, Obesity and Metabolism , 2026 · doi:10.1111/dom.70209 · PMID 41090431

    Sonstiges

    Beschreibt Aufbau und Endpunkte des TRIUMPH-Programms mit über 5800 Teilnehmenden. Enthält keine Ergebnisse.

  6. [6] Effects of once-weekly subcutaneous retatrutide on weight and metabolic markers: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials

    Pasqualotto E, Ferreira ROM, Chavez MP, Hohl A, et al.. Metabolism Open , 2024 · doi:10.1016/j.metop.2024.100321 · PMID 39318607

    Meta-Analyse / Systematic Review

    Meta-Analyse über drei randomisierte Studien mit 640 Teilnehmenden, mittlere Gewichtsdifferenz minus 10,66 kg gegenüber Placebo. Grenze: kleine Grundgesamtheit, kurze Laufzeiten.

  7. [7] Effects of retatrutide on body composition in people with type 2 diabetes: a substudy of a phase 2, double-blind, parallel-group, placebo-controlled, randomised trial

    Coskun T, Wu Q, Schloot NC, Haupt A, et al.. The Lancet Diabetes & Endocrinology , 2025 · doi:10.1016/S2213-8587(25)00092-0 · PMID 40609566

    Randomisierte Studie

    Körperzusammensetzung per Dual-Röntgen-Absorptiometrie, nur 103 Teilnehmende mit verwertbaren Messungen an beiden Zeitpunkten. Grundlage der Muskelmasse-Diskussion.

  8. Eli Lilly and Company, Pressemitteilung vom 21. Mai 2026 , 2026

    Sonstiges

    Herstellermitteilung zu TRIUMPH-1 und einzige öffentliche Quelle für die Phase-3-Gewichtszahlen. Sie ersetzt keine Publikation; Häufigkeiten von Nebenwirkungen sind daraus nicht ableitbar.

  9. ClinicalTrials.gov , 2026

    Datenbank

    Registereintrag NCT05929066: 2335 geplante Teilnehmende, Phase 3, Status abgeschlossen.

  10. ClinicalTrials.gov , 2026

    Datenbank

    Registereintrag NCT05929079 mit 1152 Teilnehmenden. Ergebnisse lagen beim Redaktionsstand nicht vor.

  11. ClinicalTrials.gov , 2026

    Datenbank

    Registereintrag NCT05882045 mit 1946 Teilnehmenden. Belegt, dass eine Herz-Kreislauf-Studie angelegt ist.

  12. ClinicalTrials.gov , 2026

    Datenbank

    Registereintrag NCT05931367 mit 445 Teilnehmenden, Endpunkt Knieschmerz.

  13. ClinicalTrials.gov , 2026

    Datenbank

    Registereintrag NCT06662383 mit 800 Teilnehmenden. Der direkte Vergleich gegen ein zugelassenes Arzneimittel läuft noch.

  14. ClinicalTrials.gov , 2026

    Datenbank

    Registereintrag NCT06354660 mit 537 Teilnehmenden, abgeschlossen. Passend zur Lancet-Publikation.

  15. U.S. Food and Drug Administration , 2026

    Behörde / Norm

    Behördliche Feststellung, dass Retatrutid und Cagrilintid nicht zum Compounding verwendet werden dürfen, dazu Hinweise zu Importüberwachung und Warnbriefen. Inhaltlich auf dem Stand vom 1. September 2026.

  16. U.S. Food and Drug Administration , 2026

    Behörde / Norm

    Erklärt, unter welchen Voraussetzungen ein Wirkstoff nach Section 503A oder 503B des FD&C Act im Compounding verwendet werden darf.

  17. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026

    Behörde / Norm

    Die Zweckbestimmung ist ausdrücklich Teil der Definition des Arzneimittels.

  18. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026

    Behörde / Norm

    Ohne Zulassung darf ein Arzneimittel nicht in den Verkehr gebracht werden.

  19. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026

    Behörde / Norm

    Verbietet das Verbringen nicht zugelassener Arzneimittel in den Geltungsbereich des Gesetzes.

  20. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026

    Behörde / Norm

    Die Liste führt Wachstumshormon-Fragmente namentlich, darunter AOD-9604 und hGH-Fragment 176-191. Inkretin-Peptide wie Retatrutid stehen nicht darin.

  21. World Anti-Doping Agency , 2026

    Behörde / Norm

    S0 erfasst nicht zugelassene Substanzen und damit Retatrutid im Sport.

  22. EUR-Lex , 2001

    Behörde / Norm

    Art. 1 Nr. 2 definiert das Arzneimittel, Art. 6 macht das Inverkehrbringen von der Zulassung abhängig.

  23. European Medicines Agency, EPAR , 2026

    Behörde / Norm

    Wird nur zum Vergleich herangezogen, weil dort die Nebenwirkung Dysästhesie bei einem verwandten Wirkstoff mit Häufigkeit dokumentiert ist. Keine Aussage zu Retatrutid.

Der Redaktionsstand dieses Beitrags ist der 14. September 2026. Quellen werden regelmäßig gegen die Register geprüft (PubMed, Crossref).

Verwandte Themen