AOD-9604
C-terminales Fragment des Wachstumshormons, Entwicklung 2007 eingestellt, nicht zugelassen
Auch bekannt als: AOD9604 · AOD 9604 · hGH-Fragment 176-191 · HGH Fragment 177-191 · Tyr-hGH 177-191 · AOD-9604 acetate
Kurzfassung
AOD-9604 ist ein kurzes Peptid aus dem Ende des humanen Wachstumshormons. In Nagermodellen steigerte es die Fettoxidation, ohne den Blutzucker zu verändern. Diese Daten trugen ein Entwicklungsprogramm, das bis in eine Phase-2b-Studie mit 502 randomisierten Teilnehmenden führte. Die Studie verfehlte 2007 ihren Endpunkt, und der Hersteller stellte die Entwicklung ein. Bis heute ist keine der Humanstudien vollständig publiziert, und es gibt keine Messung dazu, wie viel von einer Gabe beim Menschen im Blut ankommt.
- Aminosäuren
- 16
- Masse
- 1815,1 g/mol
- Halbwertszeit Mensch
- nie gemessen
- Zulassungen
- keine, weltweit
- Phase-2b-Studie
- 502 randomisiert, Endpunkt verfehlt, Entwicklung 2007 eingestellt
- Publizierte Humanstudien
- keine vollständige Publikation
- Anti-Doping
- in der Anlage zu § 6 AntiDopG namentlich genannt
Was der Stoff ist
- Klasse
- Synthetisches Peptid aus 16 Aminosäuren, C-terminales Fragment des humanen Wachstumshormons, mit einer Disulfidbrücke zwischen den Cysteinen an Position 7 und 14
- Summenformel
- C₇₈H₁₂₃N₂₃O₂₃S₂
- Molare Masse
- 1815,1 g/mol
- CAS-Nummer
- 221231-10-3
- Herkunft
- Die Sequenz entspricht dem Abschnitt 177 bis 191 des humanen Wachstumshormons, ergänzt um ein zusätzliches Tyrosin am Anfang. Entwickelt wurde das Peptid von der australischen Firma Metabolic Pharmaceuticals. Die Absicht war, die fettabbauende Wirkung des Wachstumshormons zu nutzen, ohne dessen Wirkung auf den Blutzucker mitzunehmen.
Wirkmechanismus
Was im molekularen Versuch passiert. Jede Zeile nennt die Zielstruktur und die Belege.
β3-adrenerge Rezeptoren des Fettgewebes2
Modulator indirekt, über eine Hochregulation der Rezeptorbildung
In fettleibigen Mäusen erhöhte AOD9604 die Bildung der β3-Adrenozeptoren im Fettgewebe auf Werte wie bei schlanken Tieren. In Mäusen ohne diesen Rezeptor blieb der Gewichtseffekt aus. Der Befund zeigt, dass die Wirkung diesen Rezeptor braucht, aber nicht, dass das Peptid direkt an ihm bindet.
-
Nach mehrwöchiger Gabe stiegen Fettoxidation und Energieverbrauch, und das Körperfett sank. Diese Messungen stammen aus Mausmodellen. Beim Menschen wurde die Fettoxidation nicht gemessen; gemessen wurde nur der Spiegel freier Fettsäuren im Blut.
-
In fettleibigen Zucker-Ratten veränderte eine 19-tägige orale Gabe die Insulinempfindlichkeit im euglykämischen Clamp nicht, anders als eine Behandlung mit intaktem Wachstumshormon. Die Behördenprüfung von 2024 hält fest, dass keine Humanstudie die Aufnahme oder die Wirkung des Peptids beim Menschen gemessen hat.
-
Für AOD9604 ist keine bindende Zielstruktur nachgewiesen. Die Übersichtsarbeiten, die den Stoff im Sport- und Orthopädiebereich erwähnen, stufen die Wirkweise als nicht gesichert ein.
Was belegt ist und wie gut
Jede Aussage mit Evidenzstufe und Bewertung. „Anerkannt“ heißt: von der Fachwelt getragen. „Spekulativ“ heißt: es gibt eine Hypothese, aber keine belastbare Prüfung.
Es existieren mehrere randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Humanstudien, eine davon mit 502 randomisierten Teilnehmenden. Die Datenlage ist deshalb formal besser als reine Tierdaten, aber die Studien wurden nie vollständig publiziert, und das Ergebnis war negativ.
Warum nicht höher: Es gibt keine vollständige Publikation der Humanstudien, keine Pharmakokinetik am Menschen und keine Zulassung. Die belastbarste Grundlage für eine Wirkung sind Nagermodelle. Für eine Wirkung beim Menschen gibt es keine belastbare Grundlage, für die Wirkungslosigkeit beim Menschen dagegen ein negatives Ergebnis aus einer großen randomisierten Studie.
In fettleibigen Nagern senkt AOD9604 die Gewichtszunahme und den Körperfettanteil.1,3,2
Evidenz C plausibel · Mehrere unabhängig durchgeführte Maus- und Rattenstudien mit unterschiedlichen Verabreichungswegen, teils aus der Herstellerforschung.
Nach oraler Gabe von 500 µg/kg täglich über 19 Tage nahmen fettleibige Zucker-Ratten mehr als 50 Prozent weniger Gewicht zu als die Kontrollgruppe.1
Evidenz C plausibel · Einzelne Tierstudie. Die Werte sind in der Arbeit angegeben, aber nicht unabhängig wiederholt.
Die lipolytische Wirkung von AOD9604 setzt β3-adrenerge Rezeptoren voraus.2
Evidenz C plausibel · Mäuse ohne diesen Rezeptor zeigten nach chronischer Gabe keinen Gewichtsverlust. Ein akuter Effekt auf den Energieverbrauch blieb in denselben Tieren jedoch erhalten, was gegen einen reinen Rezeptorweg spricht.
In kontrollierten Humanstudien erreichte AOD9604 keine statistisch signifikante Gewichtsreduktion gegenüber Placebo.7,10
Evidenz B anerkannt · Mehrere randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studien, darunter eine Phase-2b-Studie mit 502 randomisierten Teilnehmenden. Die Autoren der Übersichtsarbeit fassen das Ergebnis selbst so zusammen.
Die Phase-2b-Studie OPTIONS verfehlte ihren primären Endpunkt, und der Hersteller beendete die Entwicklung am 21. Februar 2007.10
Evidenz B anerkannt · Die Beendigung wurde über die australische Börse mitgeteilt und ist in der Behördenprüfung von 2024 dokumentiert.
AOD9604 verändert die Insulinempfindlichkeit nicht.1
Evidenz C plausibel · Belegt im euglykämischen Clamp an fettleibigen Ratten über 19 Tage. Am Menschen wurde das nie gemessen.
AOD9604 fördert die Regeneration von Gelenkknorpel.5
Evidenz D spekulativ · Eine einzige Tierstudie am Kaninchen mit künstlich erzeugter Kniearthrose. Es gibt keine Humanstudie zu diesem Endpunkt.
Studien am Menschen
Was am Menschen tatsächlich gemessen wurde. Tierstudien stehen bewusst nicht hier, sondern im Abschnitt zur Evidenz.
- Population
- 23 Erwachsene mit Adipositas, mittlerer BMI 42,3 kg/m² · n = 23
- Endpunkte
- Verträglichkeit und Spiegel freier Fettsäuren als Zeichen des Fettstoffwechsels
- Ergebnis
- Einmal wöchentlich 25, 50 oder 100 µg/kg über vier Wochen. Die freien Fettsäuren stiegen zwei Stunden nach der Gabe. Das Gewicht sank im Mittel um 0,58 kg über drei Wochen, unterschied sich aber nicht statistisch von Placebo. Die Angaben stammen aus einer Übersichtsarbeit; Primärdaten wurden nicht veröffentlicht.
- Population
- METAOD003: 16 Männer mit Adipositas, mittlerer BMI 41,3 kg/m². METAOD004: 36 Männer mit Adipositas, 18 bis 54 Jahre. · n = 16 und 36
- Endpunkte
- Verträglichkeit, freie Fettsäuren, Gewichtsänderung
- Ergebnis
- METAOD003: wöchentlich 9, 27 oder 54 mg über vier Wochen. Die freien Fettsäuren stiegen nach vier Stunden bei allen Dosen, eine statistisch signifikante Gewichtsabnahme gegenüber Placebo trat nicht auf. METAOD004: 10, 30 oder 60 mg über eine Woche, Gewichtsabnahme 1,0 kg bei 10 mg gegen 0,6 kg unter Placebo, höhere Dosen wirkten schwächer. Keine weiteren Angaben verfügbar.
- Population
- 300 Erwachsene mit Adipositas, 30 bis 65 Jahre, ohne weitere Erkrankungen · n = 300
- Endpunkte
- Gewichtsänderung nach 12 Wochen unter oraler Gabe von 1, 5, 10, 20 oder 30 mg täglich
- Ergebnis
- Nach Angabe der Autoren war die Gewichtsabnahme bei allen Dosen größer als unter Placebo, mit dem größten Effekt bei der niedrigsten Dosis von 1 mg und einer signifikanten Wirkung bei Frauen. Mittlere wöchentliche Rate: minus 0,22 kg bei 1 mg, minus 0,13 kg bei 20 mg und minus 0,15 kg bei 30 mg gegen minus 0,07 kg unter Placebo. Eine Publikation der Methoden und Ergebnisse existiert nicht. Fünf Teilnehmende erlitten schwere unerwünschte Ereignisse, darunter mehrere Krebserkrankungen.
- Population
- 536 Erwachsene mit Adipositas eingeschlossen, 502 randomisiert, 18 bis 65 Jahre, BMI 30 bis 45 kg/m² · n = 502 randomisiert
- Endpunkte
- Statistisch signifikante Gewichtsabnahme nach 12 Wochen bei einer von drei oralen Dosen gegen Placebo, sowie Sicherheit
- Ergebnis
- Täglich 0,25, 0,5 oder 1 mg oral über 24 Wochen, zusätzlich ein Programm aus Ernährung und Bewegung. Die Studie war auf einen Unterschied von 1,8 kg ausgelegt. Weder nach 12 noch nach 24 Wochen erreichte eine Dosis eine signifikante Gewichtsabnahme gegenüber Placebo. Der Hersteller teilte am 21. Februar 2007 mit, die Ergebnisse trügen eine kommerzielle Entwicklung nicht und die Entwicklung werde beendet.
- Population
- 32 ausgewachsene Kaninchen mit künstlich durch Kollagenase erzeugter Kniearthrose · n = 32
- Endpunkte
- Knorpelzustand in der Gewebsuntersuchung und Dauer der Lahmheit
- Ergebnis
- Wöchentliche Injektionen in das Kniegelenk über vier bis sieben Wochen, entweder Kochsalzlösung, Hyaluronsäure, 0,25 mg AOD9604 oder beides zusammen. Die Tiere mit der Kombination schnitten am besten ab, die Lahmheit dauerte dort am kürzesten. Das ist ein Tiermodell und keine Aussage über Menschen.
Pharmakokinetik
Was der Körper mit dem Stoff macht: Aufnahme, Verteilung, Abbau.
- Halbwertszeit
- Nicht bestimmt. Die Behördenprüfung von 2024 stellt fest, dass keine klinische Studie zur Pharmakokinetik oder Pharmakodynamik von AOD9604 über irgendeinen Verabreichungsweg vorliegt.
- Aufnahme / Bioverfügbarkeit
- Nicht bestimmt. In Studien wurde das Peptid intravenös und oral gegeben; Aufnahmedaten wurden nie veröffentlicht.
- Spitzenkonzentration
- Nicht bestimmt.
- Abbau
- Nur im Reagenzglas untersucht. Nach Inkubation in Serum und Urin wurden sechs Abbauprodukte gefunden. Eines davon, das Bruchstück CRSVEGSCG, erwies sich als deutlich stabiler als die Ausgangssubstanz und wurde als Zielmolekül für Dopinganalysen vorgeschlagen.
- Ausscheidung
- Nicht bestimmt.
Diese Lücke ist der wichtigste Punkt des ganzen Beitrags. Ohne Aufnahmedaten lässt sich nicht sagen, ob eine orale Gabe beim Menschen überhaupt verwertbare Mengen ins Blut bringt. Alle im Umlauf befindlichen Mengenangaben stammen aus Tierstudien.
Protokolle aus der Literatur
Diese Angaben beschreiben, wie in einer bestimmten Studie dosiert wurde. Sie sind der Grund, warum im Umlauf Zahlen kursieren, und ausdrücklich kein Vorschlag für irgendetwas.
Dosisangaben aus Tierstudien lassen sich nicht auf Menschen umrechnen. Wer das versucht, ignoriert Unterschiede in Stoffwechsel, Aufnahme und Empfindlichkeit.
Handhabung im Labor
Umgang mit der Substanz, nicht mit dem Menschen: ansetzen, lagern, typische Fehler.
- Rekonstitution
- AOD9604 ist in keinem Land zugelassen, es gibt daher keine Herstellerangabe. Für Peptid-Lyophilisate allgemein gilt: Lösungsmittel an der Glaswand entlanglaufen lassen, nicht auf das Pulver spritzen, nicht schütteln.
- Lagerung
- Eine zugelassene Lagervorschrift existiert nicht. Allgemein gilt für Peptid-Lyophilisate: trocken, lichtgeschützt und tiefgekühlt lagern.
- Lösungsmittel
- Nicht geprüft. Bei anderen Peptiden wird bakteriostatisches Wasser verwendet; Benzylalkohol kann die Stabilität verändern.
- Auftauen
- Wiederholtes Auftauen und Einfrieren gilt bei Peptiden allgemein als häufige Ursache für Aktivitätsverlust. Für AOD9604 ist das nicht untersucht.
Grundregeln für den Umgang
- Die Disulfidbrücke zwischen den Cysteinen an Position 7 und 14 ist eine bekannte Angriffsstelle für Abbau und Zusammenlagerung. Die Behördenprüfung nennt genau das als Qualitätsrisiko.
- Ansetzdatum und Kühlkette dokumentieren.
- Trübe Lösungen oder sichtbare Partikel nicht verwenden.
- In Deutschland ist der Stoff in der Anlage zu § 6 AntiDopG namentlich genannt. Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken sind nach § 2 Abs. 3 AntiDopG verboten.
Typische Fehler
- Die Humanstudien wurden nie vollständig publiziert. Wer konkrete Zahlen zu Dosis und Wirkung beim Menschen sucht, findet sie nur in einer Herstellerübersicht, einer Konferenzzusammenfassung und einem Behördenbericht. Das ist der Kern des Problems und nicht eine Formalie.
- Aus den Nagermodellen wird im Umlauf abgeleitet, das Peptid wirke beim Menschen. Genau diese Ableitung ist 2007 in einer 502-Personen-Studie geprüft worden, und sie hat nicht getragen.
- Der scheinbare Widerspruch zwischen der Konferenzzusammenfassung von 2005 und dem Ergebnis von 2007 lässt sich nicht auflösen, weil in beiden Fällen die Methoden fehlen. In der Zusammenfassung von 2005 waren die Unterschiede zu Placebo klein, und die Autoren beschrieben eine nicht lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung.
- Der Hinweis auf fehlende Blutzuckerwirkung stammt aus Tierstudien. Er ist keine Sicherheitsaussage für Menschen.
- In mehreren Übersichten wird AOD9604 mit Entwicklungsprogrammen zu Knorpel und Darm in Verbindung gebracht. Für ein Darmprogramm ließ sich in den geprüften Quellen kein Nachweis finden. Für den Knorpelbereich gibt es nur ein Kaninchenmodell und Nominierungen für ein Compounding-Verfahren, die die Behörde nicht bewertet hat.
- Die Zählweise des Fragments schwankt zwischen den Quellen. Die Angaben 176-191 und 177-191 bezeichnen dasselbe Peptid; die eine zählt ab dem ersten, die andere ab dem zweiten Endstück des Wachstumshormons.
Sicherheit
Es gibt keine belastbaren Sicherheitsdaten am Menschen und keine Messung, wie viel vom Wirkstoff im Blut ankommt. Die Behördenbewertung stuft den Stoff als sicherheitlich ungeklärt ein.
Was in Studien als unerwünschte Wirkung berichtet wurde
- gravierend Evidenz C Belege: fda-pcac
In der 12-Wochen-Studie mit 300 Teilnehmenden traten bei fünf Personen schwere unerwünschte Ereignisse auf, darunter ein Basalzellkarzinom, ein Lipom, ein Plattenepithelkarzinom, Brustkrebs und ein bösartiges Melanom. Die Prüfenden bewerteten keinen Fall als zusammenhängend mit dem Prüfpräparat. Die Behörde hält ausdrücklich fest, dass die Angaben nicht ausreichen, um diese Bewertung nachzuvollziehen.
- gravierend Evidenz C Belege: fda-pcac
Die Behörde bewertet die Erbgutverträglichkeit als nicht abschließend geklärt. In den durchgeführten Tests ergaben sich widersprüchliche Signale: im Bakterientest, im Chromosomenaberrationstest und im Mikrokerntest jeweils uneindeutige Befunde.
- relevant Evidenz C Belege: fda-pcac
Für ein Peptid dieser Länge mit einer Disulfidbrücke ist die Bildung von Antikörpern und von Zusammenlagerungen ein bekanntes Risiko. Die Behörde hält fest, dass die Immunogenität von AOD9604 nicht untersucht ist und dass die Gefahr bei subkutaner Gabe größer ist als bei intravenöser.
- relevant Evidenz A Belege: fda-pcac
Es gibt keine Messung zur Aufnahme, Verteilung oder Ausscheidung beim Menschen und keine Daten zu längerer Anwendung. Für ein Arzneimittel, das bei einer chronischen Erkrankung über Monate gegeben würde, fehlt damit die Grundlage jeder Risikobewertung.
- Hinweis Evidenz A Belege: fda-pcac
In den beiden US-amerikanischen Meldesystemen für unerwünschte Wirkungen fanden sich bis Anfang 2024 keine Berichte zu AOD9604. Die Behörde weist ausdrücklich darauf hin, dass das kein Beleg für Unbedenklichkeit ist, sondern auch bedeuten kann, dass niemand die Anwendung meldet.
Aus Studien und Zulassungsunterlagen
- Intravenöse Gabe, 23 Teilnehmende: am häufigsten Kopfschmerzen, Müdigkeit, nicht näher bezeichnete Unterzuckerung und Schwindel. Als möglicherweise zusammenhängend wurden ein Engegefühl in der Brust von starker Ausprägung und Euphorie von leichter bis mittlerer Ausprägung bewertet. Die Zahl der Teilnehmenden ist klein und die Dauer kurz.
- Orale Gabe, METAOD003 mit 17 Teilnehmenden: 97 unerwünschte Ereignisse, am häufigsten Kopfschmerzen, Durchfall, Blähungen, gesteigerter Appetit und Übelkeit. Zwei schwere Ereignisse bei der höchsten Dosis, davon Durchfall als möglicherweise zusammenhängend und eine Lungenentzündung als nicht zusammenhängend bewertet.
- Orale Gabe, METAOD004 mit 36 Teilnehmenden über sieben Tage: keine schweren Ereignisse, insgesamt 207 unerwünschte Ereignisse ohne Aufschlüsselung. Bei der höchsten Dosis von 54 mg mehr Kopfschmerzen, Durchfall und Blähungen.
- Orale Gabe, METAOD005 mit 300 Teilnehmenden über 12 Wochen: Verteilung der unerwünschten Ereignisse nach Angabe der Autoren in allen Gruppen ähnlich. Antikörper gegen das Peptid wurden bei keiner der untersuchten Personen nachgewiesen. Die fünf schweren Ereignisse sind oben genannt.
- Orale Gabe, OPTIONS mit 502 randomisierten Teilnehmenden über 24 Wochen: häufigste Ereignisse Nasennebenhöhlenentzündung, Kopfschmerzen, Rückenschmerz und Durchfall. Nach Angabe der Autoren kein Ereignis mit sicherem Zusammenhang zur Behandlung und keine nachweisbaren Antikörper. Die vollständigen Daten wurden nicht veröffentlicht.
Messgrößen, die eine Gefährdung früh zeigen würden
Diese Parameter werden in Studien erhoben, um Schäden zu erkennen. Die Liste ist keine Anleitung zur Selbstkontrolle, sondern zeigt, welche Signale die Fachwelt für relevant hält.
- Haut und Lymphknoten, weil in der 12-Wochen-Studie mehrere Krebserkrankungen auftraten und die Behörde deren Zuordnung als ungeklärt bezeichnet.
- Antikörper gegen das Peptid und Entzündungszeichen an der Einstichstelle, weil Peptide dieser Länge immunogen wirken können.
- Leber- und Nierenwerte, weil zur Ausscheidung beim Menschen nichts bekannt ist.
- Blutzucker und Insulin, weil Wachstumshormon den Blutzucker erhöht und unklar ist, ob Fragmente diesen Effekt vollständig verlieren.
- Wachstumsfaktor IGF-1, weil in den Humanstudien keine Unterschiede gefunden wurden und dieser Punkt bei Wachstumshormon-Fragmenten zentral ist.
- Körperzusammensetzung und bei intraartikulärer Anwendung der Gelenkzustand, weil die Tierdaten einen selektiven Fettverlust behaupten und für den Knorpel nur ein Kaninchenmodell vorliegt.
Rechtslage
Einordnung nach öffentlich zugänglichen Normen. Sie ersetzt keine anwaltliche Auskunft im Einzelfall.
Nicht zugelassen und zusätzlich in der Doping-Verbotsliste namentlich genannt. Erwerb, Besitz und Verbringung in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken sind strafbar.
- § 2 Abs. 1 AMG (Arzneimittelbegriff)
- § 21 Abs. 1 AMG (Zulassungspflicht)
- § 2 Abs. 3 AntiDopG (Erwerb, Besitz, Verbringung)
- Anlage zu § 6 AntiDopG, Abschnitt II Nr. 2.3 (Wachstumshormon-Fragmente)
Anders als bei den meisten anderen Peptiden steht AOD-9604 ausdrücklich in der Anlage zum AntiDopG. Dort heißt es unter Wachstumshormon-Fragmenten: „Zum Beispiel: AOD-9604, hGH-Fragment 176-191“. Daraus folgt: Wer den Stoff in nicht geringer Menge zum Zwecke des Dopings beim Menschen im Sport erwirbt, besitzt oder nach Deutschland verbringt, handelt nach § 2 Abs. 3 AntiDopG verboten. Unabhängig davon bleibt der Stoff ein nicht zugelassenes Arzneimittel, wenn er zur Anwendung am Menschen bestimmt ist.
Europäische Union
13Kein zugelassenes Arzneimittel in der EU.
- Richtlinie 2001/83/EG Art. 6 (Zulassungspflicht)
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben
Die Einordnung folgt der Zweckbestimmung. Wird AOD9604 als Mittel zum Abnehmen angeboten, ist es Arzneimittel oder zumindest ein unzulässig gesundheitsbezogen beworbenes Produkt. Eine Zulassung besteht nicht.
Nicht zugelassen. Die FDA hat im Dezember 2024 vorgeschlagen, AOD-9604 nicht in die Liste der Wirkstoffe aufzunehmen, die im Compounding verwendet werden dürfen.
- 21 U.S.C. § 353a (Section 503A des FD&C Act)
- FDA Briefing Document, Pharmacy Compounding Advisory Committee, 4. Dezember 2024
- 21 CFR 216.23 (Kriterien der 503A-Liste)
Die Behörde prüfte den Stoff nach den vier Kriterien der Verordnung: physikalisch-chemische Charakterisierung, Sicherheitsbedenken, Belege für Wirksamkeit oder Unwirksamkeit und historische Verwendung. Ergebnis: Die Bewertung fällt gegen eine Aufnahme aus. Die Behörde fand keine Humanstudie zur Aufnahme des Stoffes, keine Daten zu subkutaner oder äußerlicher Anwendung und hielt die Angaben zu den aufgetretenen Krebserkrankungen für nicht ausreichend, um sie zuzuordnen. Ein Registereintrag zu einer klinischen Studie lag nicht vor.
Auf der Verbotsliste der WADA. In der Fachliteratur wird AOD9604 ausdrücklich als verbotene Substanz geführt.
- WADA Prohibited List, Kategorie S2 (Peptidhormone, Wachstumsfaktoren, verwandte Stoffe und Mimetika)
- Cox et al. 2015, Drug Testing and Analysis
Wachstumshormon und seine Fragmente gehören zu den klassischen verbotenen Stoffen im Sport. Die Facharbeit zur Analytik von AOD9604 nennt den Stoff ausdrücklich als von der WADA verboten und begründet damit die Entwicklung eines Nachweisverfahrens im Urin.
Kombinationen
Was in der Literatur zusammen genannt wird und was davon belegt ist.
Häufig zusammen untersucht oder genannt
- In der Körperkultur wird AOD9604 mit Wachstumshormon-Freisetzern oder mit Fettverbrennern kombiniert. Für keine dieser Kombinationen existiert eine kontrollierte Studie. Da die Wirkung des Stoffes allein beim Menschen nicht nachgewiesen ist, ist eine Kombinationsbetrachtung gegenstandslos.
- Historisch wurde AOD9604 zusammen mit einer Diät und einem Bewegungsprogramm geprüft, zuletzt in der OPTIONS-Studie. Auch unter diesen Bedingungen verfehlte es den Endpunkt.
Mögliche Wechselwirkungen
- Zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln gibt es keine Untersuchung. Bei Wachstumshormon ist eine Wirkung auf den Blutzucker bekannt; ob ein Fragment davon etwas behält, ist nicht geklärt.
- Die gleichzeitige Anwendung von Wachstumshormon und seinem Fragment ist nicht untersucht. Eine additive Wirkung auf den Blutzucker ist mechanistisch denkbar, aber nicht gemessen.
Häufige Fehlannahmen
Aussagen, die im Umlauf sind, und was die Quellen dazu sagen.
„AOD9604 ist ein zugelassenes Abnehm-Mittel.“
Es ist in keinem Land zugelassen. Die Entwicklung wurde am 21. Februar 2007 eingestellt, nachdem die Phase-2b-Studie ihren Endpunkt verfehlt hatte.10
„Die Humanstudien zeigen eine Gewichtsabnahme.“
Zwei Veröffentlichungen berichten von kleinen Unterschieden zu Placebo, eine Konferenzzusammenfassung nennt eine signifikante Wirkung bei Frauen. Die große randomisierte Studie war auf einen Unterschied von 1,8 kg ausgelegt und erreichte ihn nicht. Vollständige Publikationen fehlen.10,7
„Weil AOD9604 kein Wachstumshormon ist, hat es auch keine Nebenwirkungen.“
Es gibt keine Sicherheitsdaten am Menschen, keine Aufnahmedaten und keine Langzeitdaten. Die Behörde stuft die Erbgutverträglichkeit als uneindeutig und die Immunogenität als ungeprüft ein.10
„Es gibt keine Studien zur Pharmakokinetik, aber die Menge im Blut ist aus Tierdaten ableitbar.“
Eine solche Ableitung ist fachlich unzulässig. Ohne Messung beim Menschen lässt sich nicht sagen, welcher Anteil einer oralen Gabe überhaupt ins Blut gelangt.10
Wissenslücken
Was fehlt. Wer forschen will, findet hier die offenen Fragen, die tatsächlich welche sind.
- ? Es fehlt jede Pharmakokinetik am Menschen, und es fehlt eine vollständige Publikation der Humanstudien einschließlich der Phase-2b-Studie mit 502 randomisierten Teilnehmenden.
- ? Es gibt keine unabhängig wiederholte Tierstudie zur Lipolyse, und Langzeitdaten fehlen: Die längste Humanstudie mit auswertbaren Angaben lief 24 Wochen.
- ? Die Zuordnung der in der 12-Wochen-Studie aufgetretenen Krebserkrankungen ist ungeklärt. Ohne die Rohdaten lässt sie sich nicht klären.
- ? Es gibt keine Daten zu Schwangerschaft, Kindern und Jugendlichen oder zu älteren Menschen.
- ? Es gibt keine Humanstudie zum Knorpelendpunkt, obwohl AOD9604 für diese Anwendung nominiert wurde.
- ? Es gibt keine Messung der Immunogenität am Menschen, obwohl die Behörde genau hier eine offene Frage sieht.
Selbst ansetzen: ein Experiment ohne Arzneimittel
Lipolyse an Fettzellen messen
Setzt ein Prüfpeptid aus differenzierten Fettzellen mehr freie Fettsäuren frei als die unbehandelte Kontrolle?
Material
- · 3T3-L1-Zellen oder eine vergleichbare Zelllinie, Differenzierungsmedium
- · Messkit für freie Fettsäuren, Medium ohne Serumzusatz
- · Isoproterenol oder ein anderes β-adrenerges Agonist als Positivkontrolle
- · AOD9604 als Prüfsubstanz, Bezugsquelle und Reinheit dokumentiert
Auswertung
Konzentration freier Fettsäuren im Überstand als Vielfaches der unbehandelten Kontrolle, mit Streumaß über die Versuchstage.
Ablauf
- 1. Zellen bis zur vollständigen Differenzierung kultivieren und den Fettgehalt mikroskopisch prüfen.
- 2. Medium gegen serumfreies Medium tauschen und zwei Stunden ruhen lassen.
- 3. Ansätze mit abgestuften Konzentrationen der Prüfsubstanz, mit Positivkontrolle und ohne Zusatz in Dreifachbestimmung ansetzen.
- 4. Nach festgelegter Inkubationszeit den Überstand abnehmen und die freien Fettsäuren darin messen.
- 5. Mindestens drei unabhängige Versuchstage, Auswertung gegen die Positivkontrolle und mit Angabe der Streuung.
Grenzen: Der Test zeigt die Freisetzung von Fettsäuren aus Fettzellen im Reagenzglas. Er sagt nichts über Gewichtsverlust, Aufnahme, Verträglichkeit oder Dosis am Menschen. Ohne Positivkontrolle lässt sich ein schwaches Signal nicht von Zellstress unterscheiden.
Vergleich mit verwandten Stoffen
Direkter Nebeneinander-Vergleich der belegbaren Merkmale. Leere Felder bedeuten: in der Literatur nicht gefunden.
| Merkmal | AOD-9604 | 5-Amino-1MQ | Cagrilintide | Semaglutide | Tirzepatide |
|---|---|---|---|---|---|
| Klasse | Synthetisches Peptid aus 16 Aminosäuren, C-terminales Fragment des humanen Wachstumshormons, mit einer Disulfidbrücke zwischen den Cysteinen an Position 7 und 14 | Kleinmolekül, kein Peptid: 5-Amino-1-methylchinolinium, ein Hemmstoff des Enzyms Nicotinamid-N-Methyltransferase (NNMT) | Synthetisches Peptid, langwirksames Analogon des humanen Amylins (Inselamyloid-Polypeptid), mit Fettsäurekette zur Albuminbindung | Synthetisches Peptid, GLP-1-Rezeptor-Agonist, durch Fettsäurekette an Albumin gebunden und dadurch lang wirksam | Synthetisches Peptid aus 39 Aminosäuren, dualer Agonist an GIP- und GLP-1-Rezeptor, über eine C20-Fettsäurediacid-Einheit an Albumin gebunden |
| Zielstruktur | β3-adrenerge Rezeptoren des Fettgewebes, Fettoxidation und Energieverbrauch, Insulinempfindlichkeit und Blutzucker, Kein bekannter Rezeptor | Enzym NNMT (Nicotinamid-N-Methyltransferase), NAD+ und S-Adenosylmethionin im Fettgewebe, Polyamin-Stoffwechsel und Energieverbrauch, Fettgewebe, Leber und Glukosehaushalt | Amylin-Rezeptoren (Calcitonin-Rezeptor mit RAMP1, RAMP2 oder RAMP3), Sättigungszentren im Hirnstamm, Magenentleerung, Glukagon und Blutzucker nach dem Essen | GLP-1-Rezeptor, Appetitregulation im Hypothalamus, Magenentleerung, Herz-Kreislauf-System und Niere | GIP-Rezeptor, GLP-1-Rezeptor, Appetitregulation und Sättigung, Herz-Kreislauf-System, Niere und Schlafregulation |
| Halbwertszeit | Nicht bestimmt. Die Behördenprüfung von 2024 stellt fest, dass keine klinische Studie zur Pharmakokinetik oder Pharmakodynamik von AOD9604 über irgendeinen Verabreichungsweg vorliegt. | Beim Menschen nicht bestimmt. Im Mausmodell wurde die Kinetik nach intravenöser, oraler und subkutaner Gabe beschrieben, mit hoher systemischer Verfügbarkeit und Verteilung in Fettgewebe, Muskel und Leber. | 159 bis 195 Stunden, also etwa 7 bis 8 Tage. Ermittelt in einer randomisierten Phase-1b-Studie bei 95 gesunden Erwachsenen mit Übergewicht. | Etwa 1 Woche. Nach der letzten Dosis von 2,4 mg ist Semaglutid noch rund 7 Wochen im Blut nachweisbar. | Etwa 5 Tage. Die Produktinformation begründet damit die einmal wöchentliche Gabe und weist darauf hin, dass bei Absetzproblemen die lange Halbwertszeit zu berücksichtigen ist. |
| Untersuchte Wege | oral, subkutan, intravenös | subkutan, in vitro | subkutan | subkutan, oral | subkutan |
| Zulassung | Deutschland: Nicht zugelassen und zusätzlich in der Doping-Verbotsliste namentlich genannt. Erwerb, Besitz und Verbringung in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken sind strafbar. · Europäische Union: Kein zugelassenes Arzneimittel in der EU. | Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei Bestimmung zur Anwendung am Menschen ein nicht zugelassenes Arzneimittel. · Europäische Union: Kein zugelassenes Arzneimittel in der EU. | Deutschland: Nicht zugelassen. Ein Stoff ohne Zulassung, der zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, ist ein nicht zugelassenes Arzneimittel und darf nicht in den Verkehr gebracht werden. · Europäische Union: Kein zugelassenes Arzneimittel. Beim Redaktionsstand ist kein laufendes EU-Zulassungsverfahren bekannt. | Deutschland: Zugelassenes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Abgabe ausschließlich über Apotheken. Nicht zugelassene Zubereitungen und Importe sind nicht verkehrsfähig. · Europäische Union: Zugelassen. Wegovy seit 6. Januar 2022, Ozempic seit 8. Februar 2018, Rybelsus seit 3. April 2020. | Deutschland: Zugelassenes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Abgabe ausschließlich über Apotheken. Nicht zugelassene Zubereitungen sind nicht verkehrsfähig. · Europäische Union: Zugelassen. Mounjaro erhielt die Zulassung am 15. September 2022. |
| Evidenz | B — am Menschen untersucht | C — überwiegend Tiermodelle | B — am Menschen untersucht | A — mehrfach am Menschen belegt | A — mehrfach am Menschen belegt |
| Humanstudien | 5 dokumentiert | 5 dokumentiert | 6 dokumentiert | 5 dokumentiert | 6 dokumentiert |
| Deutschland | Nicht zugelassen und zusätzlich in der Doping-Verbotsliste namentlich genannt. Erwerb, Besitz und Verbringung in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken sind strafbar. | Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei Bestimmung zur Anwendung am Menschen ein nicht zugelassenes Arzneimittel. | Nicht zugelassen. Ein Stoff ohne Zulassung, der zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, ist ein nicht zugelassenes Arzneimittel und darf nicht in den Verkehr gebracht werden. | Zugelassenes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Abgabe ausschließlich über Apotheken. Nicht zugelassene Zubereitungen und Importe sind nicht verkehrsfähig. | Zugelassenes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Abgabe ausschließlich über Apotheken. Nicht zugelassene Zubereitungen sind nicht verkehrsfähig. |
Kernaussagen
- ▪ AOD-9604 ist ein synthetisches Fragment des humanen Wachstumshormons aus 16 Aminosäuren, kein körpereigenes Hormon.
- ▪ In Nagermodellen steigerte es die Fettoxidation und senkte das Körperfett; diese Daten stammen überwiegend aus der Nähe des Herstellers.
- ▪ Beim Menschen verfehlte die Phase-2b-Studie OPTIONS mit 502 randomisierten Teilnehmenden 2007 ihren Endpunkt, und die Entwicklung wurde eingestellt.
- ▪ Keine Humanstudie wurde vollständig publiziert, und es gibt keine Messung, wie viel Wirkstoff nach einer Gabe im Blut ankommt.
- ▪ In der 12-Wochen-Studie traten fünf schwere unerwünschte Ereignisse auf, darunter mehrere Krebserkrankungen. Die Behörde hält die Zuordnung für ungeklärt.
- ▪ AOD-9604 ist nirgends zugelassen. Die FDA hat 2024 vorgeschlagen, den Stoff nicht in die Compounding-Liste aufzunehmen.
- ▪ In Deutschland steht AOD-9604 ausdrücklich in der Anlage zu § 6 AntiDopG. Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken sind nach § 2 Abs. 3 AntiDopG verboten.
Quellen
Alle Belege dieses Beitrags, mit Einordnung, was sie zeigen und wo ihre Grenzen liegen.
- [1] Metabolic studies of a synthetic lipolytic domain (AOD9604) of human growth hormone
Ng FM, Sun J, Sharma L, Libinaka R, et al.. Hormone Research , 2000 · doi:10.1159/000053183 · PMID 11146367
Präklinisch (Tier)Wichtigste Tierstudie zur oralen Gabe: fettleibige Zucker-Ratten, 500 µg/kg täglich über 19 Tage, mehr als 50 Prozent weniger Gewichtszunahme, keine Veränderung der Insulinempfindlichkeit im Clamp. Autoren aus der Herstellerforschung, keine unabhängige Wiederholung.
- [2] The effects of human GH and its lipolytic fragment (AOD9604) on lipid metabolism following chronic treatment in obese mice and beta(3)-AR knock-out mice
Heffernan M, Summers RJ, Thorburn A, Ogru E, et al.. Endocrinology , 2001 · doi:10.1210/endo.142.12.8522 · PMID 11713213
Präklinisch (Tier)Zeigt die Abhängigkeit der chronischen Wirkung vom β3-adrenergen Rezeptor. Wichtige Einschränkung in derselben Arbeit: Ein akuter Effekt auf Energieverbrauch blieb auch in Mäusen ohne diesen Rezeptor bestehen.
- [3] Increase of fat oxidation and weight loss in obese mice caused by chronic treatment with human growth hormone or a modified C-terminal fragment
Heffernan MA, Thorburn AW, Fam B, Summers R, et al.. International Journal of Obesity and Related Metabolic Disorders , 2001 · doi:10.1038/sj.ijo.0801740 · PMID 11673763
Präklinisch (Tier)Quelle für den Anstieg der Fettoxidation im Mausmodell. Kleine Fallzahlen, kurze Laufzeit.
- [4] Detection and in vitro metabolism of AOD9604
Cox HD, Smeal SJ, Hughes CM, Cox JE, et al.. Drug Testing and Analysis , 2015 · doi:10.1002/dta.1715 · PMID 25208511
In vitroUnabhängige Arbeit zur Analytik. Beschreibt die Sequenz als Fragment 177 bis 191 mit zusätzlichem Tyrosin, nennt den Stoff ausdrücklich als von der WADA verboten und identifiziert sechs Abbauprodukte, darunter das stabile Bruchstück CRSVEGSCG.
- [5] Effect of Intra-articular Injection of AOD9604 with or without Hyaluronic Acid in Rabbit Osteoarthritis Model
Kwon DR, Park GY. Annals of Clinical and Laboratory Science , 2015 · PMID 26275694
Präklinisch (Tier)32 Kaninchen mit künstlich erzeugter Kniearthrose. Positiver Befund im Tiermodell, keine Humanstudie zu diesem Endpunkt.
- [6] Identification and characterization of peptide drugs in unknown pharmaceutical preparations seized by the Belgian authorities: case report on AOD9604
Vanhee C, Moens G, Deconinck E, De Beer JO. Drug Testing and Analysis , 2014 · doi:10.1002/dta.1687 · PMID 24976118
FallberichtBelegt, dass AOD9604 in beschlagnahmten, undeklarierten Zubereitungen gefunden wurde. Zeigt das Qualitätsproblem im Graumarkt, nicht die Wirkung.
- [7] AOD-9604 Metabolic
Wilding J. Current Opinion in Investigational Drugs , 2004 · PMID 15134286
ÜbersichtsarbeitEinzige zusammenfassende Darstellung der frühen Humanstudien. Fasst selbst zusammen, dass keine der klinischen Studien eine statistisch signifikante Gewichtsabnahme gegenüber Placebo zeigte. Die zitierten Unterlagen waren Pressemitteilungen des Herstellers, die nicht mehr abrufbar sind.
- [8] Safety and Efficacy of Approved and Unapproved Peptide Therapies for Musculoskeletal Injuries and Athletic Performance
Mendias CL, Awan TM. Sports Medicine , 2026 · doi:10.1007/s40279-026-02437-0 · PMID 41966639
ÜbersichtsarbeitAktuelle unabhängige Übersicht über zugelassene und nicht zugelassene Peptidtherapien im Sportbereich. Ordnet AOD9604 als nicht zugelassen und unzureichend belegt ein.
- [9] Therapeutic Peptides in Orthopaedics: Applications, Challenges, and Future Directions
Rahman OF, Lee SJ, Seeds WA. JAAOS Global Research & Reviews , 2026 · doi:10.5435/JAAOSGlobal-D-25-00236 · PMID 41490200
ÜbersichtsarbeitÜbersicht zu Peptiden in der Orthopädie. Nützlich zur Einordnung, warum AOD9604 dort überhaupt diskutiert wird, obwohl nur ein Tiermodell vorliegt.
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U.S. Food and Drug Administration, Dokument vom 4. Dezember 2024 , 2024
Behörde / NormDie belastbarste Einzelquelle zu AOD9604. Die Behörde hat hier die klinischen Studien ausgewertet, die nie vollständig publiziert wurden, und daraus die Ergebnisse der Phase-2b-Studie und die schweren unerwünschten Ereignisse dokumentiert. Ergebnis: Die Bewertung fällt gegen eine Aufnahme in die 503A-Liste aus.
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U.S. Food and Drug Administration , 2026
Behörde / NormErklärt das Verfahren der 503A-Liste und die Voraussetzungen, unter denen ein Wirkstoff im Compounding verwendet werden darf.
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Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026
Behörde / NormDie Zweckbestimmung ist Teil der Definition des Arzneimittels.
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Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026
Behörde / NormOhne Zulassung darf ein Arzneimittel nicht in den Verkehr gebracht werden.
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Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026
Behörde / NormIm Abschnitt Wachstumshormon-Fragmente stehen ausdrücklich „AOD-9604“ und „hGH-Fragment 176-191“. Das ist der entscheidende Unterschied zu allen anderen Stoffen dieses Themenfelds.
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Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026
Behörde / NormAbsatz 3 verbietet Erwerb, Besitz und Verbringung eines in der Anlage genannten Stoffes in nicht geringer Menge zum Zwecke des Dopings beim Menschen im Sport.
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World Anti-Doping Agency , 2026
Behörde / NormWachstumshormon und seine Fragmente gehören zu den klassischen verbotenen Stoffen. Die Liste selbst nennt einzelne Fragmente nicht namentlich; die Einordnung von AOD9604 stützt sich zusätzlich auf die Fachliteratur.
Der Redaktionsstand dieses Beitrags ist der 14. September 2026. Quellen werden regelmäßig gegen die Register geprüft (PubMed, Crossref).