AHK-Cu
Kupferkomplex eines Tripeptids mit Alanin statt Glycin, ein Vielfaches dünner belegt als GHK-Cu
Auch bekannt als: Ala-His-Lys-Kupfer · AHK-Kupferkomplex · L-Alanyl-L-histidyl-L-lysin-Kupfer · Kupferpeptid AHK
Kurzfassung
AHK-Cu ist der Kupferkomplex des Tripeptids Ala-His-Lys. Er unterscheidet sich von GHK-Cu nur durch eine Aminosäure: Alanin statt Glycin. In der Literatur findet sich dazu eine einzige Studie aus dem Jahr 2007, die an menschlichen Haarfollikeln ex vivo und an kultivierten Dermapapillazellen durchgeführt wurde. Humanstudien existieren nicht. Wer AHK-Cu mit den Daten von GHK-Cu bewirbt, überträgt Befunde zwischen zwei verschiedenen Molekülen.
- Aminosäuren
- 3
- Masse (Peptid)
- 354,4 g/mol
- Unterschied zu GHK
- Alanin statt Glycin
- Zulassungen
- keine, weltweit
- Humanstudien
- keine
- Experimentelle Arbeiten
- eine publizierte Studie (2007)
- Vorherrschende Evidenz
- Ex-vivo-Haarfollikel und Zellkultur
Was der Stoff ist
- Klasse
- Kupfer(II)-Komplex eines Tripeptids, synthetisch hergestellt
- Sequenz
- Ala-His-Lys (L-Alanyl-L-histidyl-L-lysin)
- Summenformel
- C₁₅H₂₆N₆O₄ (freies Peptid), Kupferkomplex als Monohydrochlorid C₁₅H₂₄ClCuN₆O₄⁻ geführt
- Molare Masse
- 354,4 g/mol (Peptid), 451,4 g/mol (Kupferkomplex als Monohydrochlorid)
- CAS-Nummer
- 126828-32-8 (Peptid), 682809-81-0 (Kupferkomplex als Monohydrochlorid)
- Herkunft
- AHK ist kein im Körper beschriebenes Peptid, sondern eine Abwandlung des im Blut vorkommenden GHK. Der Austausch von Glycin gegen Alanin verändert die Ladungsverteilung und die Lipophilie des Moleküls. Diese Veränderung wird in der Literatur als Vorteil für die Aufnahme in die Haarfollikel diskutiert, gemessen wurde sie nicht.
Wirkmechanismus
Was im molekularen Versuch passiert. Jede Zeile nennt die Zielstruktur und die Belege.
-
Wie GHK bildet AHK mit Kupfer einen elektrisch geladenen Komplex. Die Bindung ist für AHK nicht unabhängig charakterisiert; die Angaben stammen aus Analogieschlüssen zur GHK-Chemie.
Dermapapillazellen des Haarfollikels1
Modulator schwach, im picomolaren bis nanomolaren Bereich
Wirkung zwischen 10⁻¹² und 10⁻⁹ M in Zellkultur
In der einzigen Studie zur Substanz förderte AHK-Cu die Vermehrung kultivierter Dermapapillazellen. Diese Zellen steuern das Wachstum des Haarfollikels. Ein Effekt auf kultivierte Zellen ist kein Nachweis eines Haarwuchseffekts am Menschen.
Haarfollikel im Ex-vivo-Modell1
Modulator
An isolierten menschlichen Haarfollikeln verlängerte AHK-Cu in derselben Arbeit das Follikelwachstum. Das Modell hält Follikel außerhalb des Körpers am Leben und misst Länge über wenige Tage. Es bildet den Haarzyklus nicht ab.
Apoptose in Dermapapillazellen1
unklar
Die Zahl apoptotischer Zellen sank unter 10⁻⁹ M AHK-Cu, der Unterschied war aber nicht statistisch signifikant. Das Verhältnis von Bcl-2 zu Bax war erhöht. Solche Marker sind in einzelnen Zellkulturversuchen wenig belastbar.
Was belegt ist und wie gut
Jede Aussage mit Evidenzstufe und Bewertung. „Anerkannt“ heißt: von der Fachwelt getragen. „Spekulativ“ heißt: es gibt eine Hypothese, aber keine belastbare Prüfung.
Eine einzige veröffentlichte Studie, dazu Ex-vivo- und Zellkulturmodelle. Keine Humanstudie, keine unabhängige Replikation, keine Sicherheitsstudie.
Warum nicht höher: Es gibt genau eine Studie zur Wirkung von AHK-Cu, und sie stammt aus dem Jahr 2007. Solange diese Arbeit nicht unabhängig wiederholt und durch kontrollierte Anwendungsstudien am Menschen ergänzt wird, ist jede Aussage über Haarwuchs oder Hautwirkung eine Extrapolation aus einem einzelnen Laborversuch.
AHK-Cu verlängerte in einer Ex-vivo-Arbeit das Wachstum isolierter menschlicher Haarfollikel und förderte die Vermehrung kultivierter Dermapapillazellen.1
Evidenz D plausibel · Einzelne Arbeit mit zwei Modellen; kein Tier, kein Mensch, keine Wiederholung durch eine andere Gruppe.
Die in derselben Arbeit beobachtete Abnahme apoptotischer Zellen war statistisch nicht signifikant.1
Evidenz D anerkannt · Negative Teilbefunde werden in populären Darstellungen regelmäßig weggelassen; hier stehen sie in der Originalarbeit.
Für AHK-Cu existiert keine einzige Studie am Menschen.1,2
Evidenz D anerkannt · Ergibt sich aus der Durchsicht der Literatur zu Kupferpeptiden. Übersichten zu topischen Kupferpeptiden stellen für die Gruppe insgesamt ein Fehlen klinischer Studien fest.
Die Wirkung von Kupferpeptiden auf die Haut ist ohne Verstärkungsverfahren kaum messbar.4,5
Evidenz D plausibel · Gemessen wurde das am verwandten GHK-Cu: ohne Vorbehandlung praktisch keine Permeation, mit Mikronadeln messbare Mengen. Die Übertragung auf AHK-Cu ist plausibel, aber nicht geprüft.
Die Stabilität von AHK-Cu in wässriger Lösung ist nicht veröffentlicht.3
Evidenz D anerkannt · Für GHK-Cu gibt es eine belastbare Präformulierungsstudie mit Hydrolyse- und Oxidationsempfindlichkeit. Für AHK-Cu fehlt Vergleichbares.
Dass der Austausch von Glycin gegen Alanin die Aufnahme in Haut oder Follikel verbessert, ist nicht belegt.1
Evidenz D spekulativ · Wird in Produktbeschreibungen behauptet, in der zitierten Arbeit aber nicht als Vergleich gemessen.
Studien am Menschen
Was am Menschen tatsächlich gemessen wurde. Tierstudien stehen bewusst nicht hier, sondern im Abschnitt zur Evidenz.
- Population
- Isolierte menschliche Haarfollikel und kultivierte humane Dermapapillazellen
- Endpunkte
- Längenwachstum der Follikel, Zellvermehrung, Apoptoserate, Verhältnis von Bcl-2 zu Bax
- Ergebnis
- AHK-Cu zwischen 10⁻¹² und 10⁻⁹ M verlängerte das Follikelwachstum und steigerte die Zellvermehrung. Die Apoptoserate sank, ohne statistische Signifikanz. Eine Kontrollgruppe aus demselben Spenderhaar wurde mitgeführt, eine unabhängige Wiederholung fehlt bis heute.
- Population
- Ausgewertete Studien zu GHK, GHK-Cu und palmitoylierten Peptiden
- Endpunkte
- Systematische Bewertung von Wirksamkeit und Hautpermeation
- Ergebnis
- Die Übersicht findet für Kupferpeptide insgesamt keine klinischen Studien und bezeichnet die Datenlage zur Hautpermeation als unzureichend. AHK-Cu kommt in der klinischen Literatur nicht vor.
Pharmakokinetik
Was der Körper mit dem Stoff macht: Aufnahme, Verteilung, Abbau.
- Halbwertszeit
- Nicht bestimmt. Für AHK-Cu existiert keine veröffentlichte Messung am Menschen oder im Tier.
- Aufnahme / Bioverfügbarkeit
- Nicht bestimmt. Für den verwandten Komplex GHK-Cu permeierte in einer Ex-vivo-Messung an menschlicher Haut ohne Verstärkungsverfahren praktisch kein Peptid. Ob AHK-Cu sich günstiger verhält, ist eine naheliegende Annahme, aber nicht gemessen.
- Spitzenkonzentration
- Nicht bestimmt.
- Abbau
- Nicht untersucht. Peptidasen spalten Tripeptide schnell; für AHK liegen dazu keine Daten vor.
Für AHK-Cu fehlt jede pharmakokinetische Angabe. Das ist bei einem Stoff, der seit Jahren in Kosmetikprodukten angeboten wird, der auffälligste Befund.
Protokolle aus der Literatur
Diese Angaben beschreiben, wie in einer bestimmten Studie dosiert wurde. Sie sind der Grund, warum im Umlauf Zahlen kursieren, und ausdrücklich kein Vorschlag für irgendetwas.
Dosisangaben aus Tierstudien lassen sich nicht auf Menschen umrechnen. Wer das versucht, ignoriert Unterschiede in Stoffwechsel, Aufnahme und Empfindlichkeit.
Handhabung im Labor
Umgang mit der Substanz, nicht mit dem Menschen: ansetzen, lagern, typische Fehler.
- Rekonstitution
- Lyophilisat in Wasser oder Puffer lösen. Für AHK-Cu gibt es keine veröffentlichte Angabe zum optimalen pH-Bereich; die Analogie zu GHK-Cu legt einen leicht sauren bis neutralen Bereich nahe, belegt ist das nicht.
- Lagerung
- Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern. Eine substanzspezifische Stabilitätsstudie existiert nicht. Wer eine Charge über Monate lagert, weiß nicht, wie viel davon noch intakt ist.
- Lösungsmittel
- Wasser ist die naheliegende Wahl. Weil AHK-Cu wie GHK-Cu ein Kupferkomplex ist, gelten dieselben Vorbehalte gegenüber stark komplexbildenden Zusätzen.
- Auftauen
- Aliquote bilden. Wiederholtes Auftauen und Einfrieren gilt bei Peptiden als häufige Ursache für Aktivitätsverlust; für AHK-Cu ist das nicht quantifiziert.
Grundregeln für den Umgang
- Charge und Analysenzertifikat dokumentieren: unabhängige Reinheitsprüfungen von Kupferpeptiden sind selten.
- Kupfergehalt und Peptidgehalt getrennt bestimmen, weil beide Größen nicht austauschbar sind.
- Lichtschutz einhalten, weil Kupfer Redoxreaktionen eingeht.
- Bei Zellversuchen Positivkontrolle mitführen, weil Follikelkulturen stark zwischen Spendern schwanken.
Typische Fehler
- AHK-Cu wird in Produktbeschreibungen mit den Daten von GHK-Cu beworben. Die beiden Stoffe unterscheiden sich in einer Aminosäure und haben unterschiedliche Publikationslagen: zu GHK-Cu gibt es Dutzende Arbeiten, zu AHK-Cu eine.
- Die einzige Studie zu AHK-Cu wurde 2007 publiziert und nie unabhängig wiederholt. Publikationen aus einem einzigen Labor sind der schwächste Typus an Beleg, der in der Literatur vorkommt.
- Follikelkulturen schwanken erheblich zwischen Spendern. Ohne gepaarte Kontrollen aus demselben Spender sind Längenunterschiede kaum interpretierbar; die Originalarbeit hat das berücksichtigt, spätere Zitate erwähnen es nicht.
- Konzentrationsangaben im picomolaren Bereich aus Zellkultur sagen nichts über die Menge, die in einer Kopfhautlotion am Follikel ankommt.
- Kupferpeptide werden häufig als austauschbar behandelt. Kupfer, GHK, AHK und palmitoylierte Peptide sind unterschiedliche Moleküle mit unterschiedlicher Ladung und Stabilität.
Sicherheit
Zu AHK-Cu gibt es keine Sicherheitsdaten am Menschen, weder aus Studien noch aus einer systematischen Erfassung.
Was in Studien als unerwünschte Wirkung berichtet wurde
- gravierend Evidenz D Belege: fda-bulks
Eine behördliche Sicherheitsbewertung speziell für AHK-Cu existiert nicht. Die US-Behörde hat Sicherheitsbedenken nur für injizierbares GHK-Cu festgehalten, was sich nicht auf AHK-Cu übertragen lässt, aber auch keine Entwarnung ist.
- relevant Evidenz D Belege: hostynek-2011
Kupfer ist essenziell, wirkt in freier Form aber oxidativ und schädigt bei Überladung Leber und Nerven. Für topische Kupferpeptide ist eine systemische Überladung nach derzeitiger Kenntnis unwahrscheinlich, aber nicht gemessen.
- Hinweis Evidenz D Belege: pyo-2007
Für AHK-Cu sind keine unerwünschten Wirkungen dokumentiert. Das ist keine Aussage über Unbedenklichkeit, sondern Folge davon, dass kaum jemand danach gesucht hat.
- Hinweis Evidenz D Belege: mortazavi-2025
Bei kosmetischer Anwendung auf der Kopfhaut kann eine Kontaktreaktion auftreten. Häufigkeiten sind für Kupferpeptide nicht publiziert.
Aus Studien und Zulassungsunterlagen
- Aus der einzigen Studie zu AHK-Cu werden keine unerwünschten Wirkungen berichtet. Die Arbeit war eine Zellkultur- und Gewebeuntersuchung, in der unerwünschte Wirkungen gar nicht erhoben wurden.
- Aus kontrollierten Humanstudien liegen keine Angaben vor, weil es keine gibt.
- Selbstberichte in Foren betreffen überwiegend Kopfhautreaktionen bei Kupferpeptidprodukten und lassen sich keinem einzelnen Peptid zuordnen.
Messgrößen, die eine Gefährdung früh zeigen würden
Diese Parameter werden in Studien erhoben, um Schäden zu erkennen. Die Liste ist keine Anleitung zur Selbstkontrolle, sondern zeigt, welche Signale die Fachwelt für relevant hält.
- Kopfhaut und Behandlungsareal auf Rötung, Juckreiz, Schuppung und Brennen prüfen, mit Datum und Produktcharge.
- Bei gleichzeitiger Anwendung mehrerer Kupferpeptidprodukte: Kupfermenge der Produkte addieren, weil keine Daten zur kombinierten Aufnahme existieren.
- Bei beruflicher Handhabung des Lyophilisats: Handschuhe und Schutzbrille, Staubentwicklung vermeiden.
- Bei Zellversuchen: Viabilität und Zellzahl getrennt messen, damit ein Rückgang der Zellzahl nicht als Wirkung fehlgedeutet wird.
Rechtslage
Einordnung nach öffentlich zugänglichen Normen. Sie ersetzt keine anwaltliche Auskunft im Einzelfall.
Deutschland, kosmetische Verwendung
10Als Inhaltsstoff kosmetischer Mittel zulässig, solange keine arzneimitteltypische Wirkung beansprucht wird.
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 2 Abs. 1 (kosmetisches Mittel), Art. 3 (Sicherheit), Art. 11 (Produktinformationsdatei)
Ein Shampoo oder Serum mit AHK-Cu ist Kosmetik. Sobald damit Haarwuchs bei Haarausfall versprochen wird, nähert sich das Produkt einem Arzneimittel an; diese Abgrenzung entscheidet über die Zulässigkeit.
Kein zugelassenes Arzneimittel. Für Zubereitungen zur Anwendung am Menschen mit Arzneimittelzweck greift die Zulassungspflicht.
- § 2 Abs. 1 AMG (Arzneimittelbegriff)
- § 21 Abs. 1 AMG (Zulassungspflicht)
Wird AHK-Cu als Lyophilisat mit Injektionsbesteck zur Anwendung am Menschen angeboten, spricht die Zweckbestimmung für ein Arzneimittel. Der Hinweis „nur für Forschungszwecke“ ändert daran nichts, wenn die Umstände eine Anwendung am Menschen nahelegen.
Europäische Union
9Keine arzneimittelrechtliche Zulassung.
- Richtlinie 2001/83/EG Art. 1 Nr. 2 (Arzneimittelbegriff)
- Richtlinie 2001/83/EG Art. 6 (Zulassungspflicht)
Die Einordnung folgt der Zweckbestimmung des Produkts, nicht der Bezeichnung auf dem Etikett.
Sport / Anti-Doping
11Über die Auffangkategorie S0 der WADA erfasst, weil keine Zulassung als Arzneimittel besteht.
- WADA Prohibited List, Kategorie S0 „Non-Approved Substances“
S0 greift für nicht zugelassene Stoffe unabhängig davon, ob sie namentlich genannt sind. Für einen Stoff ohne Humanstudien ist eine sportrechtliche Relevanz theoretisch, aber die Kategorie ist formal erfüllt.
Kombinationen
Was in der Literatur zusammen genannt wird und was davon belegt ist.
Häufig zusammen untersucht oder genannt
- AHK-Cu wird in der Kosmetik mit anderen Haarpeptiden und mit GHK-Cu kombiniert. Für keine dieser Kombinationen existiert eine kontrollierte Studie.
- In der Forschungs- und Community-Literatur erscheint AHK-Cu in Blends mit GHK-Cu, BPC-157 und TB-500. Ob die Peptide in einer Mischung chemisch stabil bleiben, ist nicht untersucht.
Mögliche Wechselwirkungen
- Stark komplexbildende Stoffe wie EDTA können Kupfer aus dem Peptid lösen. Der Effekt ist für AHK-Cu nicht gemessen.
- Kupfer steht in Wechselwirkung mit Zink und Eisen. Bei gleichzeitiger Aufnahme hochdosierter Metallpräparate verändert sich die Metallbilanz; für topische Anwendungen ist das nicht untersucht.
Häufige Fehlannahmen
Aussagen, die im Umlauf sind, und was die Quellen dazu sagen.
„AHK-Cu ist die wirksamere Version von GHK-Cu.“
Es gibt keinen direkten Vergleich der beiden Stoffe an Haut oder Haarfollikel. Die Behauptung stützt sich darauf, dass AHK in einer einzelnen Arbeit an Haarfollikeln wirkte. GHK-Cu hat die umfangreichere Literatur, AHK-Cu die kürzere Sequenz mit einer zusätzlichen Methylgruppe.1
„AHK-Cu hat sich bei Haarausfall bewährt.“
Die einzige Studie untersuchte isolierte Follikel über wenige Tage in Kultur. Haarausfall am Menschen ist eine Erkrankung mit Zyklus, Hormonen und Genetik. Für diese Erkrankung existiert zu AHK-Cu keine Studie.1
„Kupferpeptid ist Kupferpeptid, die Daten gelten für alle.“
Die Sequenz entscheidet über Ladung, Lipophilie und Stabilität. GHK-Cu, AHK-Cu und palmitoyliertes GHK sind drei verschiedene Stoffe. Befunde lassen sich nicht frei zwischen ihnen verschieben.3,1
„Studien an Zellkulturen belegen die Wirkung auf der Kopfhaut.“
Zellkultur misst isolierte Zellen in Flüssigkeit ohne Hautbarriere. Der entscheidende Schritt, nämlich der Transport des Peptids durch die Hornschicht zum Follikel, ist dabei nicht abgebildet.4
Wissenslücken
Was fehlt. Wer forschen will, findet hier die offenen Fragen, die tatsächlich welche sind.
- ? Es fehlt jede Humanstudie, auch eine kleine, unkontrollierte Verträglichkeitsprüfung an der Kopfhaut.
- ? Es fehlt eine Replikation der einzigen Arbeit von 2007 durch eine unabhängige Gruppe.
- ? Es fehlt ein direkter Vergleich AHK-Cu gegen GHK-Cu an identischen Modellen, der die Behauptung der Überlegenheit prüfen könnte.
- ? Es fehlen Messungen zur Aufnahme durch Haut und Follikel, getrennt nach Kupfer und intaktem Peptid.
- ? Es fehlen Stabilitätsdaten in wässriger Lösung und in kosmetischen Formulierungen.
- ? Es gibt keine Daten zu Langzeitanwendung, zu Schwangerschaft und zu Kindern.
Selbst ansetzen: ein Experiment ohne Arzneimittel
Kupferpeptid und Zellvermehrung: Vergleich zweier Sequenzen
Unterscheiden sich AHK-Cu und GHK-Cu in ihrer Wirkung auf die Vermehrung von Fibroblasten bei gleicher Kupferkonzentration?
Material
- · Fibroblastenzelllinie und passendes Medium mit definiertem Serumanteil
- · AHK-Cu und GHK-Cu in molar gleicher Konzentration, dazu ein Kupfersalz als Metallkontrolle
- · 96-Well-Platten für Viabilitäts- und Proliferationsmessung, Zählkammer oder automatische Zellzählung
- · Vehikelkontrolle mit reinem Medium
Auswertung
Zellzahl relativ zur Vehikelkontrolle je Peptid und Konzentration, mit Streuung über die Versuchstage.
Ablauf
- 1. Zellen in definierter Dichte aussäen und 24 Stunden anheften lassen.
- 2. Ansätze mit 10⁻¹¹, 10⁻⁹ und 10⁻⁷ M beider Peptide sowie mit äquimolarem Kupfersalz ansetzen.
- 3. Nach 24 und 72 Stunden Viabilität und Zellzahl getrennt bestimmen.
- 4. Den Kupfergehalt im Überstand mitmessen, um freigesetztes Metall zu erfassen.
- 5. Mindestens drei unabhängige Versuchstage mit je drei technischen Replikaten.
Grenzen: Der Versuch zeigt nur, ob sich zwei Peptide in Zellkultur unterscheiden. Er sagt nichts über Aufnahme in die Haut, nichts über Haarfollikel im Körper und nichts über Verträglichkeit. Ohne Metallkontrolle lässt sich ein Effekt nicht dem Peptid zuordnen.
Vergleich mit verwandten Stoffen
Direkter Nebeneinander-Vergleich der belegbaren Merkmale. Leere Felder bedeuten: in der Literatur nicht gefunden.
| Merkmal | AHK-Cu | GHK-Cu | GLOW Blend | KLOW Blend | Melanotan II |
|---|---|---|---|---|---|
| Klasse | Kupfer(II)-Komplex eines Tripeptids, synthetisch hergestellt | Kupfer(II)-Komplex eines Tripeptids, körpereigener Bestandteil des Blutplasmas | Fertigprodukt aus drei Peptiden in einem Lyophilisat, kein einheitlicher Wirkstoff | Fertigprodukt aus vier Peptiden in einem Lyophilisat, kein einheitlicher Wirkstoff | Synthetisches cyclisches Heptapeptid, Analogon des Melanozyten-stimulierenden Hormons α-MSH |
| Zielstruktur | Kupfer(II)-Ionen, Dermapapillazellen des Haarfollikels, Haarfollikel im Ex-vivo-Modell, Apoptose in Dermapapillazellen | Kupfer(II)-Ionen, Kollagensynthese in dermalen Fibroblasten, Extrazelluläre Matrix im Wundgewebe, NF-κB und p38 MAPK, VEGF-Expression und Angiogenese, Genexpressionsprofile in Zellkultur | Kollagensynthese und Kupfertransport (Anteil GHK-Cu), Gewebereparatur und Gefäßneubildung (Anteil BPC-157), Aktin-Zytoskelett und Zellmigration (Anteil TB-500), Interaktion der drei Bestandteile | Melanokortin-1-Rezeptor (Anteil KPV), Peptidtransporter PepT1 im Darm (Anteil KPV), Entzündungsmediatoren in Haut und Knorpel (Anteil KPV), Kollagensynthese und Kupfertransport (Anteil GHK-Cu), Gewebereparatur (Anteil BPC-157) und Zellmigration (Anteil TB-500), Interaktion der vier Bestandteile | Melanokortin-1-Rezeptor (MC1R) auf Melanozyten, Melanokortin-4-Rezeptor (MC4R) im Gehirn, Sympathisches Nervensystem, Naevuszellen und Melanozytenverbände, Gefäßsystem und Nierenperfusion |
| Halbwertszeit | Nicht bestimmt. Für AHK-Cu existiert keine veröffentlichte Messung am Menschen oder im Tier. | Für den Menschen nicht bestimmt. Übersichtsarbeiten nehmen eine kurze Verweildauer im Blut an, weil Peptidasen das Tripeptid schnell spalten. Eine veröffentlichte Messung beim Menschen existiert nicht. | Für den Blend nicht bestimmbar, weil die Bestandteile unterschiedlich abgebaut werden. Für keinen der drei Bestandteile existiert eine veröffentlichte Humanpharmakokinetik. | Nicht bestimmbar. Für keinen der vier Bestandteile existiert eine veröffentlichte Humanpharmakokinetik. Für KPV liegen nicht einmal Tierdaten zur Verweildauer im Blut vor. | Für den Menschen nicht systematisch bestimmt. Die Pilotstudie von 1996 beschreibt Wirkungen, die je nach Dosis eine bis fünf Stunden anhielten, und eine Pigmentzunahme, die eine Woche nach der letzten Gabe noch messbar war. |
| Untersuchte Wege | in vitro, topisch | in vitro, topisch | in vitro, subkutan | oral, in vitro, subkutan | subkutan, in vitro |
| Zulassung | Deutschland, kosmetische Verwendung: Als Inhaltsstoff kosmetischer Mittel zulässig, solange keine arzneimitteltypische Wirkung beansprucht wird. · Deutschland, Arzneimittel: Kein zugelassenes Arzneimittel. Für Zubereitungen zur Anwendung am Menschen mit Arzneimittelzweck greift die Zulassungspflicht. | Deutschland, kosmetische Verwendung: Als Inhaltsstoff kosmetischer Mittel zulässig, solange das Produkt kosmetisch und keine arzneimitteltypische Wirkung beansprucht wird. · Deutschland, Arzneimittel: Kein zugelassenes Arzneimittel. Für Zubereitungen zur Injektion am Menschen greift die Zulassungspflicht. | Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei einem Produkt, das zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, greift die Zulassungspflicht für jeden Bestandteil. · Europäische Union: Keine Zulassung als Arzneimittel, kein zugelassenes Kombinationsprodukt. | Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei einem Produkt, das zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, greift die Zulassungspflicht für die Kombination als Ganzes. · Europäische Union: Keine Zulassung als Arzneimittel und kein zugelassenes Kombinationsprodukt. | Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Melanotanhaltige Produkte sind nach Auffassung des BfArM als Arzneimittel einzustufen; Inverkehrbringen ohne Zulassung ist verboten. · Europäische Union: Kein zugelassenes Arzneimittel. Als kosmetischer Inhaltsstoff unzulässig, weil Melanotan II kein Kosmetikinhaltsstoff ist und die Produkte eine arzneimitteltypische Wirkung beanspruchen. |
| Evidenz | D — Zellkultur und Einzelfälle | C — überwiegend Tiermodelle | E — keine belastbare Evidenz | E — keine belastbare Evidenz | D — Zellkultur und Einzelfälle |
| Humanstudien | 2 dokumentiert | 2 dokumentiert | 3 dokumentiert | 3 dokumentiert | 3 dokumentiert |
| Deutschland | Als Inhaltsstoff kosmetischer Mittel zulässig, solange keine arzneimitteltypische Wirkung beansprucht wird. | Als Inhaltsstoff kosmetischer Mittel zulässig, solange das Produkt kosmetisch und keine arzneimitteltypische Wirkung beansprucht wird. | Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei einem Produkt, das zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, greift die Zulassungspflicht für jeden Bestandteil. | Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei einem Produkt, das zur Anwendung am Menschen bestimmt ist, greift die Zulassungspflicht für die Kombination als Ganzes. | Kein zugelassenes Arzneimittel. Melanotanhaltige Produkte sind nach Auffassung des BfArM als Arzneimittel einzustufen; Inverkehrbringen ohne Zulassung ist verboten. |
Kernaussagen
- ▪ AHK-Cu ist der Kupferkomplex von Ala-His-Lys und unterscheidet sich von GHK-Cu durch eine Aminosäure.
- ▪ Die gesamte publizierte Wirkungsforschung besteht aus einer Arbeit aus dem Jahr 2007 mit Zellkultur und isolierten Haarfollikeln.
- ▪ Humanstudien fehlen vollständig, ebenso Sicherheitsstudien.
- ▪ Die behauptete Überlegenheit gegenüber GHK-Cu ist nie direkt gemessen worden.
- ▪ Für Kupferpeptide insgesamt ist die Aufnahme durch die Haut ohne Verstärkungsverfahren kaum messbar; das ist die zentrale offene Frage.
- ▪ AHK-Cu ist kein zugelassenes Arzneimittel. Als Kosmetikinhaltsstoff ist es zulässig, solange keine arzneimitteltypische Wirkung behauptet wird.
Quellen
Alle Belege dieses Beitrags, mit Einordnung, was sie zeigen und wo ihre Grenzen liegen.
- [1] The effect of tripeptide-copper complex on human hair growth in vitro
Pyo HK, Yoo HG, Won CH, Lee SH, Kang YJ, Eun HC, Cho KH, Kim KH. Archives of Pharmacal Research , 2007 · doi:10.1007/BF02978833 · PMID 17703734
In vitroDie einzige publizierte Wirkungsstudie zu AHK-Cu. Ex vivo an menschlichen Haarfollikeln und an Dermapapillazellen; die Abnahme der Apoptoserate war nicht signifikant.
- [2] Topically applied GHK as an anti-wrinkle peptide: Advantages, problems and prospective
Mortazavi SM, Mohammadi Vadoud SA, Moghimi HR. BioImpacts , 2025 · doi:10.34172/bi.30071 · PMID 39963574
ÜbersichtsarbeitUnabhängige Übersicht zu Kupferpeptiden in der Kosmetik. Belegt das Fehlen klinischer Studien und die unzureichende Datenlage zur Hautpermeation.
- [3] Physicochemical characterization of native glycyl-l-histidyl-l-lysine tripeptide for wound healing and anti-aging: a preformulation study for dermal delivery
Badenhorst T, Svirskis D, Wu Z. Pharmaceutical Development and Technology , 2016 · doi:10.3109/10837450.2014.979944 · PMID 25384620
In vitroStabilitätsarbeit zum verwandten GHK-Cu: Hydrolyse im Basischen und unter oxidativem Stress. Für AHK-Cu existiert keine vergleichbare Untersuchung.
- [4] Microneedle-Mediated Delivery of Copper Peptide Through Skin
Li H, Low YS, Chong HP, et al.. Pharmaceutical Research , 2015 · doi:10.1007/s11095-015-1652-z · PMID 25690343
In vitroZeigt am verwandten GHK-Cu, dass ohne Verstärkung praktisch kein Peptid durch intakte menschliche Haut permeiert. Zentral für die Bewertung jeder kosmetischen Kupferpeptid-Aussage.
- [5] Human skin penetration of a copper tripeptide in vitro as a function of skin layer
Hostynek JJ, Dreher F, Maibach HI. Inflammation Research , 2011 · doi:10.1007/s00011-010-0238-9 · PMID 20721598
In vitroEx-vivo-Messung an menschlicher Haut mit einem Kupfer-Tripeptid. Bestimmt wurde Kupfer, nicht das intakte Peptid.
-
U.S. Food and Drug Administration. FDA , 2026
Behörde / NormFührt injizierbares GHK-Cu mit Sicherheitsbedenken. AHK-Cu ist dort nicht gelistet, was fehlende Prüfung und nicht geprüfte Sicherheit bedeutet.
-
Bundesministerium der Justiz. gesetze-im-internet.de , 2026
Behörde / NormDie Zweckbestimmung entscheidet, ob ein Haar- oder Hautprodukt Kosmetikum oder Arzneimittel ist.
-
Bundesministerium der Justiz. gesetze-im-internet.de , 2026
Behörde / NormZulassungspflicht für Arzneimittel, die im Geltungsbereich des Gesetzes in den Verkehr gebracht werden.
-
Europäisches Parlament und Rat. EUR-Lex , 2001
Behörde / NormArt. 1 Nr. 2 definiert das Arzneimittel, Art. 6 verlangt die Zulassung für das Inverkehrbringen.
-
Europäisches Parlament und Rat. EUR-Lex , 2009
Behörde / NormArt. 2 Abs. 1 definiert das kosmetische Mittel. Kupferpeptide sind keine verbotenen Inhaltsstoffe, die Wirkaussage entscheidet über die Einordnung.
-
World Anti-Doping Agency. WADA , 2026
Behörde / NormS0 erfasst nicht zugelassene Substanzen und damit auch AHK-Cu im Sport.
Der Redaktionsstand dieses Beitrags ist der 14. September 2026. Quellen werden regelmäßig gegen die Register geprüft (PubMed, Crossref).
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