N-Acetyl Semax
N-terminal acetyliertes Semax, in keinem Land zugelassen und ohne Humanstudie
Auch bekannt als: N-Acetyl-Semax · Ac-SEMAX · Acetyl-Semax · N-Acetyl Semax Amidat · Acetyl-SEMAX
Kurzfassung
N-Acetyl-Semax ist Semax mit einer Acetylgruppe am N-terminalen Ende. Diese Modifikation soll das Peptid vor dem Abbau durch Peptidasen schützen. Belegt ist das nicht: Es gibt keine Humanstudie, keine Humanpharmakokinetik und keine veröffentlichte Tierstudie, die das acetylierte Peptid direkt mit dem nicht acetylierten vergleicht. Die Datenlage besteht aus einer In-vitro-Arbeit zur Metallbindung und einer kurzen russischen Mitteilung.
- Aminosäuren
- 7
- Masse
- 855,0 g/mol, amidierte Form
- Masse Semax zum Vergleich
- 813,9 g/mol
- Zulassung
- keine, in keinem Land
- Humanstudien
- keine
- Vorherrschende Evidenz
- In-vitro-Daten und Analogieschlüsse
Was der Stoff ist
- Klasse
- Synthetisches Heptapeptid, N-terminal acetyliertes Analogon von Semax
- Sequenz
- Ac-Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro-NH₂
- Summenformel
- C₃₉H₅₄N₁₀O₁₀S
- Molare Masse
- 855,0 g/mol (amidierte Form)
- CAS-Nummer
- 2920938-90-3
- Herkunft
- Die Acetylierung des N-Terminus wurde am Institut für Molekulare Genetik der Russischen Akademie der Wissenschaften untersucht, also an dem Institut, das auch Semax entwickelt hat. Ob der Stoff je als Arzneimittelkandidat entwickelt wurde, ist nicht belegt. In Russland ist ausschließlich das nicht acetylierte Semax zugelassen; das Register führt dort ausdrücklich Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro.
Wirkmechanismus
Was im molekularen Versuch passiert. Jede Zeile nennt die Zielstruktur und die Belege.
-
Der Abbau von Semax beginnt nachweislich am N-terminalen Methionin. Eine Acetylgruppe an dieser Stelle verändert das Angriffsmuster. Ob der Abbau dadurch langsamer wird, ist für biologische Medien nur in einer kurzen russischen Mitteilung untersucht.
Kupfer- und Zinkionen9
Bindung
Die Acetylierung verändert die Koordination von Kupfer(II) und Zink(II) am Peptid. Die Arbeit stammt aus der Koordinationschemie und misst Metallbindung, keine Wirkung im Organismus.
-
Wird ein Peptid langsamer gespalten, bleibt es länger im Gewebe. Welche Fragmente dabei entstehen und ob sie eigene Wirkungen haben, ist für die acetylierte Form nicht untersucht.
Was belegt ist und wie gut
Jede Aussage mit Evidenzstufe und Bewertung. „Anerkannt“ heißt: von der Fachwelt getragen. „Spekulativ“ heißt: es gibt eine Hypothese, aber keine belastbare Prüfung.
Eine In-vitro-Arbeit zur Koordinationschemie, eine kurze russische Mitteilung zur Proteolyse, dazu Analogieschlüsse vom nicht acetylierten Semax. Keine Humanstudie, keine Pharmakokinetik.
Warum nicht höher: Es existiert keine Studie am Menschen und keine veröffentlichte Tierstudie, die das acetylierte Peptid direkt mit dem nicht acetylierten vergleicht. Ohne diesen Vergleich bleibt jede Aussage zur längeren Wirkdauer eine Annahme.
Für N-Acetyl-Semax gibt es keine veröffentlichte Humanstudie.1,7
Evidenz D anerkannt · Aussage über die Abwesenheit von Daten, geprüft in PubMed und in den Zulassungsregistern.
Die N-terminale Acetylierung verändert die Koordination von Kupfer- und Zinkionen am Semax-Molekül.9
Evidenz D plausibel · Koordinationschemische In-vitro-Arbeit, keine Zell- oder Tierdaten.
Der proteolytische Abbau von Semax beginnt am N-Terminus, sodass eine Acetylierung an genau dieser Stelle angreift.11,12,13
Evidenz C plausibel · In-vitro-Abbau in Rattenblut und an Hirnmembranen, dazu eine Inhibitorstudie.
Die acetylierte Form ist in biologischen Medien stabiler gegen Proteolyse als das Ausgangspeptid.10
Evidenz D spekulativ · Eine kurze russische Mitteilung ohne hinterlegte Zusammenfassung. Kein unabhängiger Nachbau.
N-Acetyl-Semax ist in keinem Land als Arzneimittel zugelassen, auch nicht in Russland.1,3,5
Evidenz C anerkannt · Behördendokumente. Belegt den Zulassungsstatus, nichts über Wirkung.
Zubereitungen, die als Forschungspeptide im Internet verkauft werden, enthalten nachweislich Semax und Selank.14
Evidenz D anerkannt · Zwei beschlagnahmte Proben, analysiert von einem staatlichen Labor in Belgien.
Studien am Menschen
Was am Menschen tatsächlich gemessen wurde. Tierstudien stehen bewusst nicht hier, sondern im Abschnitt zur Evidenz.
- Population
- Kein Organismus. Die einzige gefundene Arbeit untersucht das Peptid in biologischen Medien · n = keine Studie am Menschen oder am Tier
- Endpunkte
- Stabilität des acetylierten Peptids gegenüber Proteolyse
- Ergebnis
- Eine kontrollierte Studie am Menschen existiert nicht. Auch ein direkter Vergleich von acetylierter und nicht acetylierter Form im Tiermodell ist nicht veröffentlicht.
Pharmakokinetik
Was der Körper mit dem Stoff macht: Aufnahme, Verteilung, Abbau.
- Halbwertszeit
- Nicht gemessen. Für N-Acetyl-Semax gibt es weder eine Tier- noch eine Humanmessung.
- Aufnahme / Bioverfügbarkeit
- Nicht untersucht. Für das nicht acetylierte Semax nennt die russische Fachinformation eine Aufnahme über die Nasenschleimhaut. Für die acetylierte Variante fehlen selbst Herstellerangaben.
- Abbau
- Die einzige These lautet, dass die Acetylierung den Abbau am N-Terminus erschwert. Die Arbeit von Shevchenko et al. 2013 untersucht die Stabilität in biologischen Medien, ist aber eine kurze russische Mitteilung ohne öffentlich zugängliche Zusammenfassung.
- Ausscheidung
- Nicht untersucht.
Dieser Abschnitt beschreibt vor allem, was fehlt. Wer für N-Acetyl-Semax eine längere Wirkdauer annimmt, stützt sich auf Herstellerangaben und auf die Plausibilität der Acetylierung, nicht auf eine Messung.
Protokolle aus der Literatur
Diese Angaben beschreiben, wie in einer bestimmten Studie dosiert wurde. Sie sind der Grund, warum im Umlauf Zahlen kursieren, und ausdrücklich kein Vorschlag für irgendetwas.
Dosisangaben aus Tierstudien lassen sich nicht auf Menschen umrechnen. Wer das versucht, ignoriert Unterschiede in Stoffwechsel, Aufnahme und Empfindlichkeit.
Handhabung im Labor
Umgang mit der Substanz, nicht mit dem Menschen: ansetzen, lagern, typische Fehler.
- Rekonstitution
- Es gibt kein zugelassenes Produkt, also auch keine amtliche Anleitung. Laborware wird wie andere Lyophilisate behandelt: mit sterilem Wasser oder Puffer lösen, Flüssigkeit an der Glaswand entlanglaufen lassen, nicht auf das Pulver spritzen.
- Lagerung
- Lyophilisat trocken, lichtgeschützt und tiefgekühlt lagern. Für die gelöste Form ist keine Stabilitätsstudie veröffentlicht, weder vom Hersteller noch unabhängig.
- Lösungsmittel
- Physiologischer Puffer oder steriles Wasser. Benzylalkohol und andere Konservierungsmittel können Peptide verändern, für dieses Peptid ist das nicht geprüft.
- Auftauen
- Aliquote vor dem Einfrieren bilden. Wiederholtes Auftauen und Einfrieren gilt allgemein als häufige Ursache für Aktivitätsverlust, ist für dieses Peptid aber nicht quantifiziert.
Grundregeln für den Umgang
- Charge und Reinheitsangabe dokumentieren, weil es keine unabhängige Reinheitskontrolle für Handelsware gibt.
- Nach dem Ansetzen rollen statt schütteln, um Aggregation zu vermeiden.
- Trübe Lösung oder sichtbare Partikel nicht verwenden.
- Handschuhe und Schutzbrille beim Umgang mit Lyophilisat, Staubentwicklung vermeiden.
- Acetylierte und nicht acetylierte Form getrennt pipettieren, um Verwechslung auszuschließen.
Typische Fehler
- Der häufigste Fehler ist die Übertragung von Semax-Daten auf N-Acetyl-Semax. Beide Stoffe haben unterschiedliche Summenformeln und unterschiedliche Zulassungswege.
- Die Namen N-Acetyl Semax und N-Acetyl Semax Amidat bezeichnen unterschiedliche Moleküle. Die amidierte Form ist um etwa eine Masseneinheit leichter als die freie Säure.
- Ein Massenunterschied von einer Einheit entspricht dem typischen Muster einer Deamidierung. Ohne hochauflösende Massenspektrometrie ist eine Verwechslung in der Analytik leicht möglich.
- Die behauptete längere Wirkdauer beim Menschen ist nicht gemessen. Sie wird aus einer In-vitro-Stabilitätsarbeit und aus Herstellerangaben abgeleitet.
- Die Acetylierung ist eine gängige Schutzmodifikation in der Peptidchemie. Dass sie bei einem anderen Peptid den Abbau verlangsamt, ist kein Beleg für dieses Molekül.
Sicherheit
Zu N-Acetyl-Semax existiert keine Sicherheitsuntersuchung, weder am Tier noch am Menschen. Es gibt keine Bewertung durch eine Behörde.
Was in Studien als unerwünschte Wirkung berichtet wurde
- gravierend Evidenz D Belege: pubchem-nacetyl-semax, grls-semax
Es liegen keine Toxizitätsdaten, keine Verträglichkeitsdaten und keine Fallberichte vor. Wer den Stoff verwendet, tut das ohne jede Grundlage zur Sicherheit.
- relevant Evidenz C Belege: fda-bulks
Die FDA nennt für Semax ein Immunogenitätsrisiko durch Aggregation und peptidbedingte Verunreinigungen. Diese Bewertung gilt dem nicht acetylierten Peptid und ist nicht ohne Weiteres übertragbar. Für die acetylierte Form gibt es keine vergleichbare Bewertung.
- relevant Evidenz D Belege: shevchenko-2013, dolotov-2004
Ein langsamerer Abbau bedeutet eine längere Verweildauer des Peptids und seiner Fragmente. Ob das die Verträglichkeit verändert, ist offen, weil die Abbauprodukte nicht charakterisiert sind.
Aus Studien und Zulassungsunterlagen
- Es gibt keine Erhebung unerwünschter Wirkungen, weder aus Studien noch aus behördlicher Überwachung.
- Für den verwandten Stoff Semax nennt die FDA ein Immunogenitätsrisiko und fehlende Sicherheitsdaten.
- Zu beschlagnahmten Zubereitungen mit Semax und Selank sind keine Fallberichte zu unerwünschten Wirkungen dokumentiert.
- Angaben zu Nebenwirkungen in Online-Foren sind nicht überprüfbar und enthalten keine Häufigkeiten.
Messgrößen, die eine Gefährdung früh zeigen würden
Diese Parameter werden in Studien erhoben, um Schäden zu erkennen. Die Liste ist keine Anleitung zur Selbstkontrolle, sondern zeigt, welche Signale die Fachwelt für relevant hält.
- Plasmaspiegel nach nasaler oder injizierter Gabe, weil bis heute niemand gemessen hat, ob der Stoff überhaupt in relevanten Mengen ankommt.
- Antikörper gegen das Peptid, weil die Behördenbewertung für Semax genau dieses Risiko nennt.
- Fragmentmuster nach Inkubation mit Serum, weil unklar ist, welche Abbauprodukte entstehen.
- Verhalten und Krampfschwelle im Tiermodell, weil die verwandten Peptide am zentralen Nervensystem angreifen.
Rechtslage
Einordnung nach öffentlich zugänglichen Normen. Sie ersetzt keine anwaltliche Auskunft im Einzelfall.
Kein zugelassenes Arzneimittel. Einordnung als Arzneimittel ist wahrscheinlich, sobald ein Anwendungsbezug beim Menschen besteht.
- § 2 Abs. 1 AMG (Arzneimittelbegriff)
- § 21 Abs. 1 AMG (Zulassungspflicht)
- § 5 AMG (Verbot bedenklicher Arzneimittel)
Anders als beim nicht acetylierten Semax gibt es hier nicht einmal eine ausländische Zulassung, auf die sich ein Einfuhrweg stützen könnte. Die Zweckbestimmung entscheidet: Ein Stoff zur Anwendung am Menschen braucht eine Zulassung.
Europäische Union
4Kein zugelassenes Arzneimittel in der EU.
- Richtlinie 2001/83/EG Art. 1 Nr. 2 (Arzneimittelbegriff)
- Richtlinie 2001/83/EG Art. 6 (Zulassungspflicht)
Reine Laborchemikalien ohne Anwendungsbezug fallen nicht unter das Arzneimittelrecht. Produkte, die zur Anwendung am Menschen bestimmt sind, schon.
USA
5Nicht zugelassen. Die FDA führt N-Acetyl-Semax nicht auf den Compounding-Listen. Auch der verwandte Stoff Semax darf dort derzeit nicht compoundiert werden.
- 21 U.S.C. § 353a (Section 503A des FD&C Act)
- FDA: Certain Bulk Drug Substances for Use in Compounding that May Present Significant Safety Risks
Die FDA-Liste enthält nur „Semax (heptapeptide)“ und „Selank acetate (TP-7)“, jeweils in der Tabelle der zurückgezogenen Nominierungen. Eine acetylierte Variante wird dort nicht aufgeführt. Stand der Seite: 22.04.2026.
Russische Föderation
1Nicht zugelassen. Das Register führt als Semax ausschließlich das nicht acetylierte Peptid.
- Staatliches Arzneimittelregister (ГРЛС) des Gesundheitsministeriums, Reg. Nr. ЛП-№(009449)-(РГ-RU)
- Internationaler Freiname laut Register: Метионил-глутамил-гистидил-фенилаланил-пролил-глицил-пролин
Die russische Zulassung von Semax ist kein Beleg für eine Zulassung der acetylierten Form. Wer sich auf sie beruft, beruft sich auf ein anderes Molekül.
Sport und Anti-Doping
6Fällt unter die Auffangkategorie S0 der WADA-Verbotsliste, weil der Stoff in keinem Staat für die Anwendung am Menschen zugelassen ist.
- WADA Prohibited List, Kategorie S0 „Non-Approved Substances“
S0 erfasst Stoffe ohne Zulassung durch eine staatliche Gesundheitsbehörde. Bei Semax ist diese Zuordnung wegen der russischen Zulassung unklar, bei der acetylierten Variante dagegen eindeutig. Die Liste nennt den Stoff nicht namentlich.
Kombinationen
Was in der Literatur zusammen genannt wird und was davon belegt ist.
Häufig zusammen untersucht oder genannt
- In der Selbstversorger-Literatur wird N-Acetyl-Semax als Ersatz für Semax mit angeblich längerer Wirkdauer gehandelt, teils kombiniert mit Selank. Für keine dieser Kombinationen gibt es eine Prüfung an Tieren oder Menschen.
Mögliche Wechselwirkungen
- Wechselwirkungen sind nicht untersucht. Es gibt keine einzige Studie, in der N-Acetyl-Semax zusammen mit einem anderen Arzneimittel gegeben wurde.
- Theoretisch relevant ist alles, was Peptidasen hemmt oder induziert, weil die behauptete Wirkung auf einer veränderten Abbaugeschwindigkeit beruht. Gemessen wurde das nie.
Häufige Fehlannahmen
Aussagen, die im Umlauf sind, und was die Quellen dazu sagen.
„N-Acetyl-Semax ist die verbesserte Version von Semax.“
Es gibt keinen direkten Vergleich beider Stoffe in einem Versuch. Die Annahme stützt sich auf eine In-vitro-Stabilitätsarbeit und auf Verkaufsargumente.10,7
Wissenslücken
Was fehlt. Wer forschen will, findet hier die offenen Fragen, die tatsächlich welche sind.
- ? Es fehlt ein direkter Vergleich von acetylierter und nicht acetylierter Form in einem einzigen Versuchsaufbau, in vitro und im Tier.
- ? Es fehlt jede Pharmakokinetik: Aufnahme, Verteilung, Abbau und Ausscheidung sind für dieses Molekül nicht gemessen.
- ? Es gibt keine Charakterisierung der Abbauprodukte, obwohl genau sie über die längere Verweildauer entscheiden.
- ? Es existiert keine Toxikologie, keine Untersuchung an Zellkulturen und keine Bewertung durch eine Zulassungsbehörde.
- ? Es gibt keine belastbare Reinheitsanalytik für Handelsware. Ein Teil der online verkauften Peptide enthielt nicht deklarierte Bestandteile.
- ? Ob die acetylierte Form im Menschen überhaupt in relevanter Menge ankommt oder vollständig gespalten wird, ist offen.
Selbst ansetzen: ein Experiment ohne Arzneimittel
Acetylierung und Proteolyse im Reagenzglas
Wird das N-terminal acetylierte Peptid von Peptidasen langsamer gespalten als das nicht acetylierte Ausgangspeptid?
Material
- · Beide Peptide als Referenzsubstanzen, Reinheit über HPLC dokumentiert
- · Eine Peptidase oder Rattenserum als Enzymquelle
- · Phosphatpuffer, Inkubationsblock mit 37 °C, Pipetten
- · HPLC oder LC-MS zur Trennung und Quantifizierung der Fragmente
Auswertung
Relative Restmenge des intakten Peptids über die Zeit, für beide Formen im selben Lauf.
Ablauf
- 1. Beide Peptide auf dieselbe Ausgangskonzentration einstellen und im Puffer vorlegen.
- 2. Die Reaktion durch Zugabe der Enzymquelle starten und vorher eine Nullprobe abziehen.
- 3. Zu festgelegten Zeitpunkten Proben entnehmen und die Reaktion sofort stoppen.
- 4. Peptid und Fragmente chromatografisch trennen und die Flächen gegen die Nullprobe normieren.
- 5. Die Abbauraten beider Formen berechnen und über drei unabhängige Ansätze streuen lassen.
Grenzen: Ein Reagenzglasversuch zeigt nur, ob ein Unterschied im Abbau besteht. Er sagt nichts über Aufnahme, Verteilung oder Wirkung im Organismus, und die benutzte Enzymquelle ersetzt kein menschliches Gewebe. Ohne denselben Lauf für beide Formen ist das Ergebnis wertlos.
Vergleich mit verwandten Stoffen
Direkter Nebeneinander-Vergleich der belegbaren Merkmale. Leere Felder bedeuten: in der Literatur nicht gefunden.
| Merkmal | N-Acetyl Semax | DSIP | Pinealon | Selank | Semax |
|---|---|---|---|---|---|
| Klasse | Synthetisches Heptapeptid, N-terminal acetyliertes Analogon von Semax | Nonapeptid aus der Gruppe der sogenannten Schlafpeptide | Synthetisches Tripeptid aus der Gruppe der Peptid-Bioregulatoren | Synthetisches Heptapeptid, Analogon des Tuftsin mit C-terminalem Pro-Gly-Pro | Synthetisches Heptapeptid, Analogon des ACTH(4-10)-Fragments mit C-terminalem Pro-Gly-Pro |
| Zielstruktur | Dipeptidylaminopeptidasen, Kupfer- und Zinkionen, Abbauprodukte | Schlaf-EEG (Delta- und Spindelaktivität), Abbau und Transport im Körper, Immunoassay-Nachweis (Antikörperreaktivität), Mehrere Systeme (Transmitter, Hormone, Tagesrhythmik) | Reaktive Sauerstoffspezies in Zellkulturen, ERK-1/2-Signalweg und Zellzyklus, Zellkern und DNA, Genexpression (Histone, RNA, Signalwege) | GABAerges System, NMDA-Rezeptor, BDNF in Hippocampus und präfrontalem Kortex, Abbau von Leu-Enkephalin im Serum | BDNF und sein Rezeptor trkB, Bindungsstellen in den Basalkernen des Vorderhirns, Transkription von Neurotrophinen und ihren Rezeptoren, μ-Opioidrezeptor, Gen Oprm1 |
| Halbwertszeit | Nicht gemessen. Für N-Acetyl-Semax gibt es weder eine Tier- noch eine Humanmessung. | Für den Menschen nicht gemessen. In Hirngewebe von Tieren wurde der N-terminale Tryptophanrest mit einer Halbwertszeit von etwa 15 Minuten abgespalten (Schoenenberger 1984). Eine Plasmahalbwertszeit beim Menschen ist nicht veröffentlicht. | Nicht veröffentlicht. Für ein Tripeptid ist ein schneller Abbau durch Peptidasen zu erwarten; gemessen wurde das für Pinealon nicht. | Die russische Fachinformation gibt an, dass die Plasmakonzentration innerhalb von 5 bis 5,5 Minuten fortschreitend abfällt. Eine Halbwertszeit im üblichen Sinn wird nicht genannt und ist nicht unabhängig gemessen. | Für den Menschen nicht veröffentlicht. Die russische Fachinformation nennt keine Zahl, und eine unabhängige Messung existiert nicht. |
| Untersuchte Wege | in vitro | intravenös | in vitro, oral | nasal | nasal |
| Zulassung | Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Einordnung als Arzneimittel ist wahrscheinlich, sobald ein Anwendungsbezug beim Menschen besteht. · Europäische Union: Kein zugelassenes Arzneimittel in der EU. | Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei einem Bezug zur Anwendung am Menschen ist die Einordnung als nicht zugelassenes Arzneimittel wahrscheinlich. · Europäische Union: In keinem Mitgliedstaat als Arzneimittel zugelassen. | Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei einem Bezug zur Anwendung am Menschen ist die Einordnung als nicht zugelassenes Arzneimittel wahrscheinlich. · Europäische Union: In keinem Mitgliedstaat als Arzneimittel zugelassen. | Russische Föderation: Zugelassenes Arzneimittel. Aktuell registriert als Nasentropfen 0,15 Prozent, ohne Verschreibungspflicht abgebbar. · Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Einordnung als Arzneimittel ist wahrscheinlich, sobald ein Anwendungsbezug beim Menschen besteht. | Russische Föderation: Zugelassenes Arzneimittel. Registriert seit 1994, aktuell als Nasentropfen 0,1 % und 1 %. · Deutschland: Kein zugelassenes Arzneimittel. Einordnung als Arzneimittel ist wahrscheinlich, sobald ein Anwendungsbezug beim Menschen besteht. |
| Evidenz | D — Zellkultur und Einzelfälle | C — überwiegend Tiermodelle | D — Zellkultur und Einzelfälle | C — überwiegend Tiermodelle | C — überwiegend Tiermodelle |
| Humanstudien | 1 dokumentiert | 3 dokumentiert | 3 dokumentiert | 2 dokumentiert | 2 dokumentiert |
| Deutschland | Kein zugelassenes Arzneimittel. Einordnung als Arzneimittel ist wahrscheinlich, sobald ein Anwendungsbezug beim Menschen besteht. | Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei einem Bezug zur Anwendung am Menschen ist die Einordnung als nicht zugelassenes Arzneimittel wahrscheinlich. | Kein zugelassenes Arzneimittel. Bei einem Bezug zur Anwendung am Menschen ist die Einordnung als nicht zugelassenes Arzneimittel wahrscheinlich. | Kein zugelassenes Arzneimittel. Einordnung als Arzneimittel ist wahrscheinlich, sobald ein Anwendungsbezug beim Menschen besteht. | Kein zugelassenes Arzneimittel. Einordnung als Arzneimittel ist wahrscheinlich, sobald ein Anwendungsbezug beim Menschen besteht. |
Kernaussagen
- ▪ N-Acetyl-Semax ist ein anderes Molekül als Semax, mit anderer Summenformel und anderer Masse.
- ▪ Es gibt keine Humanstudie, keine Humanpharmakokinetik und keine Toxikologie zu diesem Stoff.
- ▪ Die behauptete längere Wirkdauer beim Menschen ist nicht gemessen.
- ▪ Die einzige Arbeit zur Acetylierung ist eine Koordinationsstudie zur Kupfer- und Zinkbindung.
- ▪ Es gibt keine Zulassung, weder in Russland noch sonst irgendwo.
- ▪ Im Anti-Doping greift die Auffangkategorie S0, weil keine staatliche Zulassung existiert.
Quellen
Alle Belege dieses Beitrags, mit Einordnung, was sie zeigen und wo ihre Grenzen liegen.
-
Ministerium für Gesundheit der Russischen Föderation, grls.rosminzdrav.ru , 2025
Behörde / NormEintrag vom 26.03.2025. Der Stoff ist unter dem chemischen Namen Метионил-глутамил-гистидил-фенилаланил-пролил-глицил-пролин geführt, also als nicht acetyliertes Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro. Eine acetylierte Variante ist im Register nicht enthalten.
-
Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026
Behörde / NormDefiniert, wann ein Stoff Arzneimittel ist. Die Zweckbestimmung ist Teil der Definition.
-
Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de , 2026
Behörde / NormZulassungspflicht für Arzneimittel, die im Geltungsbereich des Gesetzes in den Verkehr gebracht werden.
-
EUR-Lex , 2001
Behörde / NormArt. 1 Nr. 2 definiert das Arzneimittel, Art. 6 macht das Inverkehrbringen von der Zulassung abhängig.
-
U.S. Food and Drug Administration , 2026
Behörde / NormFührt „Semax (heptapeptide)“ und „Selank acetate (TP-7)“ unter den zurückgezogenen Nominierungen und nennt für Semax ein Immunogenitätsrisiko. Eine acetylierte Variante wird nicht aufgeführt. Stand der Seite: 22.04.2026.
-
World Anti-Doping Agency , 2026
Behörde / NormS0 erfasst Stoffe ohne Zulassung durch eine staatliche Gesundheitsbehörde für die Anwendung am Menschen. Für N-Acetyl-Semax ist diese Bedingung erfüllt.
-
PubChem, National Library of Medicine , 2026
DatenbankDer Eintrag führt beide Namen mit einer einzigen Struktur: Summenformel C₃₉H₅₄N₁₀O₁₀S, Masse 855,0 g/mol, CAS 2920938-90-3. Die Struktur ist N-terminal acetyliert und C-terminal amidiert. Eine eigene Studie liegt nicht vor.
-
PubChem, National Library of Medicine , 2026
DatenbankSummenformel C₃₇H₅₁N₉O₁₀S, Masse 813,9 g/mol, CAS 80714-61-0, Sequenz Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro. Dient hier als Vergleichsmaßstab für die acetylierte Form.
- [9] Influence of the N-terminus acetylation of Semax, a synthetic analog of ACTH(4-10), on copper(II) and zinc(II) coordination and biological properties.
Magrì A, Tabbì G, Giuffrida A, et al.. Journal of Inorganic Biochemistry , 2016 · doi:10.1016/j.jinorgbio.2016.08.013 · PMID 27586814
In vitroDie einzige saubere Arbeit zur Acetylierung. Sie untersucht Metallbindung und einige biologische Eigenschaften in vitro. Sie belegt keine längere Wirkdauer und keine Wirkung am Menschen.
- [10] Stability of Semax acetyl to proteolysis in various biological media.
Shevchenko KV, Nagaev IY, Andreeva LA, et al.. Doklady Biological Sciences , 2013 · doi:10.1134/S0012496613020166 · PMID 23652441
In vitroKurze russische Mitteilung aus dem Institut für Molekulare Genetik. PubMed führt keine Zusammenfassung; der Volltext ist nicht frei zugänglich. Die Aussage zur Stabilität ist deshalb nicht nachprüfbar.
- [11] N-terminal degradation of ACTH(4-10) and its synthetic analog semax by the rat blood enzymes.
Potaman VN, Alfeeva LY, Kamensky AA, et al.. Biochemical and Biophysical Research Communications , 1991 · doi:10.1016/s0006-291x(05)80247-5 · PMID 1851003
Präklinisch (Tier)In-vitro-Abbau in Rattenblut. Belegt, dass der Angriff am N-Terminus beginnt, und liefert keine Halbwertszeit für den Menschen.
- [12] Degradation of ACTH/MSH(4-10) and its synthetic analog semax by rat serum enzymes: an inhibitor study.
Potaman VN, Alfeeva LY, Kamensky AA, et al.. Peptides , 1993 · doi:10.1016/0196-9781(93)90137-6 · PMID 8392718
Präklinisch (Tier)Inhibitorstudie an Rattenserum. Grenzt die beteiligten Enzymklassen ein, bleibt aber ein Reagenzglasbefund.
- [13] The binding of Semax, ACTH 4-10 heptapeptide, to plasma membranes of the rat forebrain basal nuclei and its biodegradation
Dolotov OV, Zolotarev YA, Dorokhova EM, et al.. Bioorganicheskaia Khimiia (Russian Journal of Bioorganic Chemistry) , 2004 · doi:10.1023/b:rubi.0000030127.46845.f0 · PMID 15344653
Präklinisch (Tier)Rattenhirnmembranen. Beschreibt spezifische, reversible Bindung und den Abbau über Dipeptidylaminopeptidasen zu kürzeren Fragmenten. Untersucht wurde das nicht acetylierte Peptid.
- [14] The occurrence of putative cognitive enhancing research peptides in seized pharmaceutical preparations: An incentive for controlling agencies to prepare for future encounters of the kind.
Vanhee C, Francotte A, Janvier S, Deconinck E. Drug Testing and Analysis , 2020 · doi:10.1002/dta.2717 · PMID 31667971
SonstigesStaatliches Labor in Brüssel. Zwei beschlagnahmte Proben enthielten Semax und Selank, frei verkauft als Lyophilisat oder Nasenspray. Belegt die Verkehrsform, keine Wirkung.
Der Redaktionsstand dieses Beitrags ist der 14. September 2026. Quellen werden regelmäßig gegen die Register geprüft (PubMed, Crossref).